Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

schiedene  andere.  Und  was  war  ihr  Ergebniß?  Daß  der  Getreidehandel  vernichtet ­
  wurde  infolge  des  Reglementirens,  so  daß  sich  die  Regierung,  sobald  eine
Hungersnoth  drohte,  für  verpflichtet  hielt,  den  Unterhalt  des  Volks  selbst  zu
sichern.  Sie  that  dies  durch  Beauftragte,  die  sie  von  der  Beobachtung  der
von  ihr  selbst  erlassenen  Verordnungen  dispensirte  und  die  Getreide  um  Hähern
als  den  erlaubten  Preis  einkaufen  mußten  l .  Wenn  aber  die  officielle  Einmischung ­
  in  die  Bildung  der  Getreidepreise  schon  dazumal  von  höchst  unglülllichen
  Folgen  begleitet  war,  so  müßte  eine  solche  heutzutage  erst  recht  verderblich
wirken.  Was  aber  von  den  Getreidepreisen  gilt,  findet  auch  auf  die  Preist
der  übrigen  Gegenstände  des  Massenconsums  Anwendung.  Der  Existenz  des
Telegraphen  hat  die  localen  Speculationen  unmöglich  gemacht.  Dank  den
genauen  Informationen,  wie  sie  heutzutage  zur  Verfügung  stehen,  schließen  sich
die  Speculationen  unserer  Tage  den  thatsächlichen  Verhältnissen  an.  Dieselben
versuchen  nicht  mehr,  die  Preise  ohne  Rücksicht  auf  diese  Verhältnisse  zu  gestalten.
Nur  in  den  im  Grunde  recht  seltenen  Fällen,  daß  gewisse  Gegenstände  durch  einigt
große  Finanzkräfte  monopolisirt  werden,  ist  es  die  Speculation,  welche  die
Preisschwankungen  hervorruft.  In  der  Regel  schwächt  sie  dieselben  ab,  sie
begnügt  sich  damit,  den  Absatz  der  in  einem  gegebenen  Zeitpunkt  überreichlich
vorhandenen  Vorräthe  zu  regulieren,  und  bewahrt  dadurch  die  Producenten
vor  zu  großen  Einbußen,  während  sie  die  Consumenten  vor  einem  plötzlichen
Mangel  am  Nothwendigen  schützt 2 .  Daraus  folgt  aber  noch  nicht,  daß  auch
eine  behördliche  Regelung  des  Detailhandels  stets  nachtheilig  wirke.  Solchtist
  freilich  möglich.  Die  Geschichte  der  Pariser  Fleisch-  und  Brodtaxe  in
unserem  Jahrhundert  liefert  hierfür  Beispiele 3 ,  aber  es  lassen  sich  auch  vielt
gegentheilige  Beispiele  anführen.
Auf  Grund  unserer  Ausführungen  in  diesem  und  in  den:  vorhergehendtN
Kapitel  dürfen  wir  behaupten,  daß  der  gerechte  Preis  derjenige  ist,  welche
innerhalb  gewisser  Grenzen  als  der  wirkliche  Ausdruck  des  Tauschwerthes
scheint,  und  daß  man  voraussetzen  kann,  daß  die  Marktpreise  gerechte  Preist
sind.  In  99  von  100  Fällen  könnte  eine  aus  ehrenhaften  Kauf-  oder  Ģewerbsleuten
  gebildete  Jury  entscheiden,  welches  der  gerechte  Preis  ist,  f e * nC
1  Siehe  G.  Afanasiew,  Le  commerce  des  céréales  en  France  au  XVIII o  siècle,
étude  historique  traduite  du  russe.  Paris  1893.
2  Siehe  Cl.  Jannet  1.  c.  243.  —  Moritz  Kantorovitz  (Die  Wirksamkeit  ^
Spéculation  im  Berliner  Kornhandel  1850—1890,  im  Jahrbuch  für  Gesetzgebung  u.  svon
  G.  Schmoller  (Leipzig  1891]  221  ff.)  hat  nachgewiesen,  daß  die  Differenzen  zwifķ
den  Preisen  des  Terminhandels,  wie  sie  sich  in  den  Frühjahren  von  40  Jahren  0^
bildet  hatten,  und  den  realen  Preisen,  die  im  Herbst  der  betreffenden  Jahre  na
beendigter  Ernte  erzielt  wurden,  immer  geringer  wurden.  Sie  fielen  von  15  aus  0
Aehnliche  in  Budapest  angestellte  Beobachtungen  ergaben  dasselbe  Resultat.
3  Siehe  P.  Hubert-Valleroux,  Les  corporations  etc.  187  ss.
            
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