Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

seinem  Zwecke  zu  entsprechen.  So  ist  Medicin  bent  tranken  Kinde  nützlich,
aber  nicht  werthvoll  in  seinen  Augen;  wenn  es  kann,  wird  es  dieselbe  zum
Fenster  hinaus  schütten.  Dagegen  erscheint  ihm  sein  Spielzeug  als  etwas
Werthvolles.  Andererseits  haben  die  sogen,  freien  Güter,  wie  Luft,  Wasser
und  Licht,  obgleich  sie  uns  von  größtem  Nutzen  sind,  ittt  strengen  Sinne  des
Wortes  keinen  Werth  für  uns.  Wir  können  tins  davon  so  viel,  als  uns  beliebt ­
  ,  verschaffen,  sie  stehen  uns  nach  unserem  Ermessen  zur  Verfügung  und

werden  so  nicht  nach  eitlem  mehr  oder  minder  hohen  Werthe  bemessen  í .

Diese  Unterscheidung  wird  bisweilen  auch  dadurch  ausgedrückt,  daß  man
sagt:  Wenn  von  Werth  die  Rede  sein  soll,  muß  mit  der  Erreichtlng  der  Dinge
eine  gewisse  Schwierigkeit  verbunden  sein.
Unsere  Definition  dieses  Begriffes  vermeidet  zwei  Extreme.  Das  eine
macht  den  Werth  zu  etwas  gänzlich  Objectivem,  so  daß  er  entweder  dasselbe ­
  wie  Nützlichkeit  bedeutet  oder  als  die  Fähigkeit  erscheint,  im  Handel
einen  Preis  zu  erzielen.  Das  andere  aber  läßt  denselben  als  etwas  ganz
Subjectives  erscheinen  und  stellt  ihn  allein  als  Sache  der  individuellen  Empfindung ­
  dar.  Dem  gegenüber  erscheint  es  als  das  beste,  einen  Mittelweg  einzuschlagen ­
  und  den  Begriff  des  Werthes  zum  Theil,  nämlich  insoweit  er  von
der  persönlichen  Beurtheilung  abhängt,  als  etwas  Subjectives,  zum  andern
Theil  hingegen,  d.  h.  insofern  er  die  Fähigkeit  eines  Gutes  ausdrückt,  dem
darüber  Verfügenden  andere  Güter  zu  verschaffen,  als  eine  objective  Eigenschaft ­
  zu  bestimmen.  Dergestalt  schließt  dieser  Begriff  sowohl  ein  persönliches
Urtheil  als  auch  den  Hinweis  darauf  in  sich,  daß  dessen  Grundlagen  von
demjenigen,  der  es  fällt,  zum  guten  Theile  unabhängig  sind.
Unter  wirtschaftlichem  Werth  versteht  man  die  Fähigkeit  wirtschaftlicher ­
  Güter,  als  für  die  Erhaltung  und  den  Genuß  des  menschlichen
Lebens  auf  Erden  wünschenswerth  geschätzt  zu  werden.
Der  Kürze  halber  werden  wir,  wenn  nicht  ausdrücklich  eine  andere  Bedeutung ­
  damit  verbunden  wird,  die  Worte  ,Gut'  im  Sinne  von  wirtschaftlichem ­
  Gut  und  ,Werth'  in  demjenigen  von  wirtschaftlichem  Werth  gebrauchen.
Dies  vorausgeschickt,  wollen  wir  nunmehr  die  verschiedenen  Arten  der  Werthe
und  Güter  ins  Auge  fassen.

i  Selbstverständlich  gilt  das  nur  von  den  Fällen,  wv  Wasser,  Luft  und  Licht  im
Ueberflutz  vorhanden  sind.  In  den  Städten,  zumal  in  den  Großstädten,  ist  nicht  nur
das  Wasser,  sondern  sind  oft  auch  Licht  und  freie  Luft  Gegenstand  bestimmter  Werthschätzung. ­
  Häuser  und  Wohnungen  in  hellen,  breiten  Straßen  werden  nach  bestimmten
Schätzungen  höher  bezahlt,  llnd  das  Wasser  ist  oft  auch  auf  dem  Lande,  namentlich
in  heißen  Ländern,  in  denen  künstliche  Bewässerung  üblich  ist,  hoch  bewerthet.  Man
denke  nur  an  die  Huertas  von  Valencia,  an  die  Berieselung  der  Reisfelder  in  der
Lombardei  u.  s.  w.
            
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