Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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III.  Buch.  Die  Verkeilung  der  Güter.

5.  Die  Meinung,  daß  die  Betheiligung  der  Arbeiter  am
Gewinne  des  Unternehmens,  in  dem  sie  beschäftigt  sind,  die
sociale  Frage  in  wirksamer  Weise  löse.  Es  unterliegt  allerdings
keinem  Zweifel,  daß  sich  diese  Methode  unter  gewiffen  Umständen  trefflich
bewahrt;  das  ist  namentlich  da  der  Fall,  wo  die  Ueberwachung  der  Arbeitsleistungen ­
  schwierig  ist  und  je  nach  der  sorgfältigen  oder  oberflächlichen  Verrichtung ­
  die  Ergebniffe  der  Arbeit  sich  verschieden  gestalten.  So  ist  denn  die
Gewinnbetheilignng  schon  seit  undenklichen  Zeiten  in  der  Landwirtschaft  zur
Anwendung  gelangt,  indem  man  den  Landarbeitern  einen  Antheil  an  dem
Ertrage  der  betreffenden  Grundstücke  einräumte,  und  so  bewährt  sich  die  Halbpacht ­
  noch  heutzutage  unter  der  Form  der  in  weiten  Theilen  des  mittlern
und  südlichen  Frankreich  sehr  verbreiteten  métairie  und  der  in  Toscana,  Ligurien ­
  und  Umbrien  die  gewöhnliche  Form  des  landwirtschaftlichen  Betrieben
ausmachenden  mezzadria  als  ein  mächtiger  Factor  des  öffentlichen  Wohles,
welcher  die  erfreulichsten  Ergebnisse  zeitigt.  Ueberstehen  doch  diese  Gegenden
die  landwirtschaftliche  Krise,  unter  der  die  betreffenden  Länder  zu  leiden  haben,
weit  leichter  als  diejenigen,  in  denen  die  Pacht  gegen  festen  Pachtzins  üblich  ist.
und  zum  Theil  auch  als  die  Gebiete,  in  welchen  die  von  den  Eigenthümern
mit  Hilfe  von  Wirtschaftsbeamten  selbst  ausgebeuteten  großen  Grundbesitzungen
vorherrschen.
Beim  Fischereibetriebe  ist  die  Betheiligung  am  Gewinne  sogar  fast  eine
Nothwendigkeit,  und  beim  Handel  werden  die  Verkäufer  dadurch  häufig  zu
umsichtigem  Fleiße  angetrieben,  daß  sie  von  dem  Erlöse  aus  einem  jeden  von
ihnen  abgeschlossenen  Geschäfte  bestimmte  Procente  erhalten.  Auch  wird  ganz
allgemein  den  Arbeitern  von  besonderer  Geschicklichkeit  und  den  Vertrauenspersonen ­
  unter  denselben,  von  deren  Eifer  die  Blüthe  eines  Geschäftes  in  hohem
Grade  abhängt,  eine  gewisse  Betheiligung  am  Gewinn  gewährt.  Endlich  gibt
es,  namentlich  in  Frankreich,  auch  große  industrielle  Unternehmungen,  welche
die  Betheiligung  der  Arbeiterschaft  oder  eines  Theiles  derselben  am  Gewinn
durchgeführt  haben  und  dabei  prosperiren,  lind  die  Einrichtungen  derselben
verdienen  jedenfalls  Beachtung  i ,  da  es  auch  anderwärts  zuweilen  recht  wohl
möglich  ist,  derartige  Institutionen  zu  schaffen.

im  Staatslexikon  der  Görresgesellschaft  IV  (Freiburg  1895),  645—660.  Ueber  die
Papierfabrik  Laroche-Joubert  in  Angoulème  und  das  Familistère  in  Guise  stelle  die
folgende  Anmerkung.  Diese  Beispiele  fallen  zugleich  unter  die  Kategorie  der  die  Theilnahme ­
  der  Arbeiter  am  Gewinn  prakticirenden  Unternehmungen  und  werden  deshalb
bei  der  Behandlung  dieser  besprochen.
i  Von  diesen  Etablissements  sind  besonders  drei  in  den  letzten  Jahren  der  Gegenstand ­
  der  Aufmerksamkeit  weiter  Kreise  gewesen:  die  bekannten  großen  Magazins  au
Bon  marché  in  Paris,  das  Familistère  de  Guise  (Oise)  und  die  Papierfabrik  Laroche-
            
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