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11. Kap. Trügerische Lösungen wirtschaftlicher Schwierigkeiten.
thums und die Abschaffung der gesetzlich geschützten Ehe an, und seine An
hänger hegen die Hoffnung, daß die Menschen einst in freien Gruppen zu
sammen leben und zusammen arbeiten und so ein Ideal genossenschaftlicher Gleich
heit, wahrer Freiheit und echter Brüderlichkeit verwirklichen werden!
Socialistisch sind übrigens nicht nur alle die Maßregeln, welche unmittel
bar auf die Einführung des Socialismus ausgehen, sondern auch diejenigen,
welche die Privatinitiative so weit einschränken, daß sie wesentliche Functionen
des Privateigenthums unterbinden oder gänzlich unmöglich machen. Wie leicht
kann es geschehen, daß man auf diesem Wege zur vollen Anwendung des
socialistischen Systems gelangt!
Wir brauchen hier den Socialismus nicht zu widerlegen. Das ist schon
km 6. Kapitel dieses Buches, welches die Berechtigung des Reichthums nach
weist, zur Genüge geschehen. Wir haben dort mit Berufung auf das Natur
gesetz und auf die Lehren der geoffenbarten Religion den Nachweis erbracht,
daß die Ungleichheit der Vermögensverhältniffe eine Vorbedingung der Civili
sation ist und zu materiellem und moralischem Wohlbefinden führt. An dieser
stelle wollen wir nur noch auf eine Thatsache Hinweisen. Der Socialismus
'st seiner Wesenheit nach antireligiös. Mögen gewisse Socialisten gegen den offen
ausgesprochenen Atheismus vieler zu ihrer Partei gehörigen Schriftsteller Ver
wahrung einlegen, soviel sie wollen; mögen sie immer wieder behaupten, es sei
die Aeußerung solcher Ideen ein entschuldbarer Protest gegen die heuchlerische
Frömmigkeit gewisser Leute, welche sich die Reichthümer und Annehmlichkeiten des
^rdenlebens trefflich zu nutze zu machen wisse, während sie die zu den niedern
blassen gehörigen Leute mit einem Hinweis auf die himmlischen Freuden abspeise;
wögen sie endlich auch laut verkünden, daß sie die Heiligkeit und die Unversehrt
st des Familienlebens mit Nichten antasten, sondern die Freiheit in religiösen
"ad sittlichen Dingen vollständig zu wahren gewillt seien — das alles ändert
nichts an der Thatsache, daß ihre gesamte Lehre auf einer Verherrlichung des
Materiellen Wohlbefindens und der irdischen Glückseligkeit als der einzig noth
wendigen Güter beruht, und daß gemäß dieser Lehre in der richtigen Ver
keilung dieser Güter die einzige große Voraussetzung für das Ende von
"aster und Elend zu suchen ist.
Wer sich zu dieser Lehre bekennt, läugnet die christlichen Lehren von der
Erbsünde, von der natürlichen Ungleichheit der verschiedenen Menschen, vom
^ligiösen Charakter der Ehe und der Familie.
Gelangte das socialistische Ideal der Concentrirung der gesamten Güter-
kwoduction in den Händen des Staates wirklich zur Ausführung, so würde
wan unvermeidlich zur Verfolgung des Christenthums schreiten und eine un
trügliche politische Tyrannei walten lassen, die nur durch Betrügereien und
kstechungen erträglicher gemacht werden würde. Auch für das christliche
DevaS.Kämpfk, BolkSwirtschastslehre. 28