Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Die  Organisation  der  Gewerbetreibenden  in  Ämtern.

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Wenn  sie  auch  nicht  unmittelbar  als  Muster  gedient  haben  werden
Ein  Unterschied  zeigt  sich  übrigens  darin,  dass  in  jenen  Genossenschaften ­
  immer  nur  die  im  Auslande  weilenden  Hanseaten  vereinigt
erscheinen,  während  in  der  Rigaer  Kaufmannsgilde  von  vornherein
Eremde  und  Einheimische  —  borger  unde  ghasi  —  verbunden
Sind.  Hei  dem  steten  Zuzuge  aus  deutschen  Städten,  dessen  Riga
Sich  erfreute,  waren  die  „borger^‘  keine  anderen  als  die  vor  wenigen
Jahren  oder  Jahrzehnten  Eingewanderten,  die  in  der  neuen  Heimath
Bürgerschaft  erworben  hatten,  und  die  „ghäste“  in  erster  Linie
diesen  nachfolgenden  Verwandten,  Bekannte  und  Freunde.
Der  Schrägen  der  kleinen  (îilde  von  1352  hat  sich  leider  nur
einem  Bruchstück  erhalten-  und  es  geht  aus  diesem  nicht  mit
Sicherheit  hervor,  dass  auch  er  grösstentheils  identisch  mit  dem
eh  ragen  der  Heilig-Kreuz-Ciilde  war,  wie  der  Schrägen  der  zwei
Jahre  später  errichteten  Kaufleute-Kompagnie.  Indess  machen
'jichrere  Umstände  es  wahrscheinlich,  dass  die  Heilig-Kreuz-Ciilde
^  IC  Urform  war,  aus  der  sich  die  berufsmässig  abgeschlossenen  Vereinigungen ­
  herausschälten.  In  dem  erhaltenen  Bruchstück  entc
  en  der  Altermann  von  Münster  und  der  Ältermann  von  Soest
^nsammen  den  Mitgliedern  der  neugegründeten  (olde  ihren  Gruss,
^ine  gewisse  Zusammengehörigkeit  der  beiden  Stuben  von
allster  und  Soest  nicht  in  Abrede  gestellt  werden  kann.  Ferner
^folgt  die  Übertragung  des  ebenfalls  wie  der  Schrägen  der  Heiligceuz-Ciilde
  ursprünglich  in  lateinischer  Sprache  abgefassten  Statuts
^  ^em  gleichen  Tage,  an  dem  vor  uxj  Jahren  die  Heilig-Kreuze
  eröffnet  worden  war.  Es  erscheint  als  ein  Akt  der  Pietät,
Etiftungstag  der  Muttergilde  auch  als  Gründungstag  der  Tochterbilde
  anzunehmen.  Endlich  ist  der  Schrägen  der  Kaufleute-Kom-P^gnie
  wesentlich  identisch  mit  dem  der  Heilig-Kreuz-Gilde^
Hiernach  gewinnt  es  einen  hohen  Grad  von  Wahrscheinlichkeit,
^  ^Be  Entwickelung  die  folgende  gewesen  sein  kann.  Die  Heilig-^az-(,ilde
  umfasste  zunächst  alle  Berufe  ohne  Unterschied  mit
p^r  Wenigen  Ausnahmen:  Kaufleute,  Handwerker,  (Geistliche,  Ritter,
1^^^"^"  Beiderlei  Geschlechts.  Eine  Bedeutung  für  das  Verfassungsder
  Stadt  wird  sie  ursprünglich  nicht  gehabt,  sondern  nach
heT  '  ‘^ler  kirchlichen  Brüderschaften  vorzugsweise  das  Seelen-_^]^jj^^^2^^itglieder
  ins  Auge  gefasst  haben.  Aus  Gründen,  die
1  Begel,  a.  a.  O.  ,,  S.  227.
3  II.  Theil  Nr.  41.
Mettig  in  Rigasche  Stadtblätter  1893,  Nr.  24.
            
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