Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Die  Organisation

der  Gewerbetreibenden  in  Ämtern.

Mitglieder  der  grossen  Gilde  haben  dann  auch  die  Taielgil^j
im  Jahre  1425  zur  Unterstützung  der  Armen  gestiftet.  Als  Entgelt  1
für  die  übernommenen  Zahlungen  werden  zum  Seelenheile  der
Mitglieder  Messen  gelesen  und  Gebete  verrichtet.  Das  gesellige
Moment  ist  keineswegs  ausgeschlossen;  einmal  im  Jahre  wenigstens
versamrneln  sich  (leni  Scliragen  gemäss  (he  Zugehörigren  der(.,l(ie
zu  einem  gemeinsamen  Mahle.  In  nachreformatorischer  Zeit,  wo  mit
dem  Auf  hören  der  kirchlichen  Gebräuche  in  der  Gilde  eine  Änderung
des  Charakters  eintreten  musste,  wurden  und  werden  bis  auf  den
heutigen  Tag  die  Zinsen  der  angesammelten  Kapitalien  zur  Unterstützung ­
  Hilfsbedürftiger  angewandt;  somit  könnte  man  die  Tafelgilde
  als  die  älteste  Unterstützungskasse  Rigas  bezeichnen.
Die  Kompagnie  der  Schwarzen  Häupter  gehörte  zur  Kate-  :
gorie  jener  zahlreichen  Hrüderschaften  des  Mittekdter^  die  aus  I
dem  Bedürfnisse  gleichartiger  Elemente  der  städtischen  Gesellscha  t
nach  Befriedigung  ihrer  religiösen  und  gesellschaftlichen  Interessen  i
hervorgregarijgen  sind.  In  dieser  C^ikle  abier  traten  die  rel^rRisen  ¡
Übungen  den  geselligen  Unternehmungen  gegenüber  mehr  in  den
Hintergrund,  eine  Erscheinung,  die  der  Natur  der  Verbindung  voll
kommen  entsprach,  da  die  Mitglieder  grösstentheils  aus  den  jungen  ,
Kaufleuten,  dann  aus  Schiffern  und  Goldschmieden  heryorgingen-Die
  Gilde  der  Schwarzen  Häupter  vereinigte  demnach  in  sich  die  |
männliche  Jugend  der  wohlhabendsten  Klasse  der  GesellschaÜ,  ^
man  könnte  sagen  der  rigischen  Aristokratie.  Wie  überall  in  '
ähnlichen  Verhältnissen,  so  bildeten  auch  hier  den  Mittelpunkt  des
Lebens  die  Freuden  und  Lustbarkeiten,  deshalb  machten  auch  den  j
wichtigsten  Gegenstand  ihrer  Interessen  die  Trinkgelage  und  hastnachtvergnügungen,
  die  Schützen-  und  Maigrafenfeste,  aus.  Ihren  ,
Namen  erhielten  die  Schwarzen  Häupter  nach  ihrem  Schutzpatron,
dem  heiligen  Mauritius,  jenem  christlichen  Mohren,  der  den  Märtyrertod
  starb  und  als  Beschützer  der  strebsamen  Jugend  verehrt  wiO  •
Einen  militärischen  Charakter,  wie  wiederholt  behauptet  worden
ist,  haben  die  Schwarzen  Häupter  nicht  besessen,  wenngleich  diC  ,
Mitglieder  in  Zeiten  der  Noth,  wo  die  Stadt  von  Feinden  bedroht
war,  Kriegsleistungen  auf  sich  nahmen  und  durch  1  apferkeit  sich
hervorthaten.  Die  Ausübung  militärischer  Obliegenheiten  war  eine
Bethätigung  ihrer  Bürgerpflicht,  der  alle  männlichen  Einwohner
nachkommen  mussten.  Den  Schwarzen  Häuptern,  den  lebensfrohen
und  unternehmungslustigen  jungen  Leuten  in  Riga,  konnte  eine
derartige  Verpflichtung  nur  erwünscht  sein;  gewährte  sie  doch
            
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