Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Der  Aufschwung  der  Handwerksämter  im  16.  Jahrhundert.

Auch  das  Schuhmacheramt  besass  im  fünfzehnten  Jahrhundert,
wahrscheinlich  schon  früher,  kleine  Häuser  in  der  Schuhstrasse,
dem  Fleischscharren  gegenüber  Auch  die  Hier-  und  die  Losträger
besassen  eigene  Häuser,  die  in  der  Schweinestrasse,  nur  durch  ein
Gebäude  von  einander  getrennt,  sich  befanden*.  Die  ersteren  Hessen
das  ihrige  im  Jahre  1516  mit  einem  Kostenaufwand  von  38  Mark*
umbauen  und  scheinen  überdies  noch  andere  Häuser  besessen  zu
haben.  Wenigstens  kassirten  sie  1515  35  Mark  (Miethe?)  von  dem
sogen,  grauen  Hause  auf  dem  Petrifriedhofe  ein‘‘.  Wegen  eines
ihrer  Häuser  hatten  die  Hierträger  später  einen  Process  mit  Nicolaus ­
  Holste,  der  im  Jahre  1529  zu  ihren  Gunsten  entschieden  wurde*,
und  verbauten  im  folgenden  Jahre  abermals  eine  Summe  von
20  Mark  und  einigen  Ferdingen,  die  sie  durch  den  Verkauf  eines
Agnus  Dei  gelöst  hatten
Deutlicher  als  diese  spärlichen  Nachrichten  beweisen  die  in  den
dreissiger  und  vierziger  Jahren  des  sechszehnten  Jahrhunderts  m
den  livländischen  Städten  ausgebrochenen  Streitigkeiten  zwischen
Kaufleuten  und  Handwerkern  der  letzteren  Reichthum  oder  Wohlhabenheit. ­
  Die  Rüssowsche  Chronik^  berichtet  uns,  dass  sie  sich
über  ihren  Stand  zu  erheben,  es  den  Kaufleuten  und  dem  Adel  i"
Luxus  und  Pracht  gleich  zu  thun  und  ihre  geschäftlichen  Heziehungen
auszudehnen  suchten.  Wenn  man  es  als  den  (Grundsatz  des  Meisters
Walter  von  Plettenberg  verkünden  hört,  auf  die  Handwerksämter
ein  wachsames  Auge  haben  und  Sorge  tragen  zu  wollen,  dass  sie
nicht  zu  grossen  Einfluss  im  staatlichen  und  bürgerlichen  Leben
gewönnen,  so  kann  man  sich  leicht  denken,  dass  Übergriffe  vor
gekommen  waren  oder  drohten.  Namentlich  wetteiferten  die  Han^l
werker-Frauen  und  -Töchter  in  der  Kleidung  mit  den  Frauen  ans
dem  Kaufmannsstande,  was  denn  nicht  verfehlte  Missfallen  hervor
1  Bunge,  a.  a.  ü.,  S.  162.
2  Napiersky,  Erbeb.  II,  45,  247,  377  u.  s.  w.
3  Aus  cl.  Bruderbuch  der  Bierträger:  Item  int  yar-  i^t6  utf^egeven
to  bmven  dat  ¡ms  yn  der  szvyftstrat  unde  vor  was  ande  vor  nyge  glese  to  makendt
4  Item  int  yar  lgtg  do  gaf  uns  Henrick  W^a/kcmoüe  und  syn  vrouwe
gg  mark  Kighes  to  rente  van  dem  granen  hits  uppe  santé  Peters  kerckhave,
uns  plach  to  hören.  ^
5  Item  ynt  yar  igsy  do  geven  wy  ut  mark  vor  den  iri/,  den  wy  erlang^  ^
van  dent  ersamen  rade  to  Ryge  up  dis  hüss,  da  Nico/aus  Hoisten  umme  spf'
und  zvy  beholden  recht.
R  Hem  ynt  yar  iggo  do  vorko/ten  zvy  der  Karppeske  eyn  agnus  dei  *
20  mark  und  6  ferdinge  ;  und  dat  zvart  hyr  yn  dissent  ¡tuse  vorbnwet.
7  Ausgabe  von  Fabst,  S.  67,  6i<.
            
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