§ 42. Communismus und Socialismus. 73
nach Alter und Geschlecht wechseln, in gemeinsamen Räumen
gearbeitet werden, oder auch (nach dem Cooperationssysteme
Owen's, gest. 1858) eine Klassisication nach Altersstufen eintreten,
und die Vcrtheilung der Geschäfte nach Maßgabe des Alters
erfolgen k. Einige wollten daneben früher die Ehe und Familie
bestehen lassen, wogegen diese und jene nach später vorherrschend
gewordener Auffassung aufhört und es der Gesellschaft ol^iegt,
die Erziehung der Kinder überhaupt oder mindestens von einem
gewissen Lebensalter an bei gleichem Unterricht für Alle zu übernehmen,
noch Andere es aber vorzogen, über derartig Zukünftiges
sich auszuschweigen und sich zunächst auf Angriffe gegen
das Bestehende zu beschränken.
Communistischer seits wird also gänzlich verkannt, daß
thatsächliche Gleichheit der Menschen schon durch deren natürliche
Ungleichheit ausgeschlossen, Bestehen von Privateigenthunt
eine wirth'schaftliche Nothwendigkeit, und durch Eigeninteresse
geleitete priöatwirthschaftliche Erwerbsthätigkeit
nicht durch irgendwie künstlich herbeigeführtes Zusaminenarbeiten
ersetzbar ist, während Gütergemeinschaft ein
ungeheurer Rückschritt zu einem höchst ursprünglichen
Entwickelungszustande und schließlich demnach auch eine
allgemeine Erwerbs- und Genußgemeinschaft geradezu unausführbar
wäre.
Die Menschen sind von Gcbnrt an ungleich in ihren Anlagen
ititi) werden noch ungleicher durch ihre weitere Entwickelung
im Leben. Diese Ungleichheit, vermöge deren sich dieselben gegenseitig
ergänzen, sichert die fortschreitende Gesittung des Menschengeschlechts,
welche durch allgemeine Gleichmachung, insofern sie
überhaupt möglich wäre, vernichtet werden müßte. Gleichheit
kann vernünftiger Weise nur angestrebt iverden bezüglich gaitz
allgemeiner Rechte. So ist z. B. das Verlangen nach gleichem
Rechtsschutz, nach freiem Gebrauchenkönnen der eigenen Begabtheit,
um sich innerhalb der gegebenen Gesellschaftsordnung so weit
hinaufzuarbeiten, als es glücken will, sittlich gerechtfertigt, der
aus bodenloser Begehrlichkeit hervorgehende Anspruch dagegen
völlig ungerechtfertigt, es jedenfalls nicht schlechter haben zu
wollen, als mehr beglückte Andere, was schließlich auf den von