Fundament und Ausbau der Cartesischen Physik.
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stanz der Bewegungsmenge, das bereits allgemein erwiesen war,
zu Grunde legen und von ihm aus die verschiedenen möglichen
Fälle successiv entwickeln. Die einheitliche Grundgleichung
war festzuhalten; es galt nur, die Wandlungen zu verfolgen, die
sie bei der Variation bestimmter Parameter erfährt. Statt dessen
stellt Descartes in den „Prinzipien“ sieben verschiedene Fälle be-
ziehungslos. nebeneinander und gibt für jeden von ihnen ein be-
sonderes Gesetz. Versucht man diese verschiedenen Bestimmun-
gen miteinander zu vereinen und ineinander überzuführen, so er-
gibt sich ein deutlicher Widerspruch; es zeigt sich z. B. ein an-
derer Erlolg, wenn wir unmittelbar den Zusammenstoss gleicher
Massen, nach der ersten Regel, bestimmen, als wenn wir von
ungleichen Massen ausgehend, durch stetige Verminderung ihrer
Differenz, zur Grenze der Gleichheit übergehen. Die Forderung,
die die „Regeln“ gestellt hatten, dass in einer „continuierlichen
Bewegung des Denkens“ von Problem zu Problem {fortzu-
schreiten sei, erweist sich somit hier als unerfüllbar: eben diese
Forderung sclbst ist es, an die Leibniz in seinem Continuitäls-
prinzip anknüpfen wird, um die Cartesischen Stossregeln zu kriti-
sieren.®) Wenn Descartes ferner das Gesetz der Erhaltung der
Energie nicht in voller Allgemeinheit erkennt und ausspricht,
sofern er nämlich die Richtung der Bewegung als ein Moment
denkt, das ohne Aufwendung von Kraft geändert werden kann:
so ist er auch hier seinem eigenen Grundsatz, nur solche Fak-
toren zuzulassen, die als Grössen fest und eindeulig bestimmbar
sind, untreu geworden.®) Das Fundament der Cartesischen
Physik ist fest gegründet: wenn das Gebäude dennoch wankend
wurde, so ist die Schuld darin zu suchen, dass seine Einzelteile
nicht durchweg nach dem ursprünglichen gedanklichen Schema
und Bauplan ineinander gefügt waren.
Descartes’ Urteil über Galilei, auf das man immer wieder
zurückkommen muss, um die eigentliche Schwäche seiner eige-
nen Physik zu kennzeichnen, liefert hierfür einen neuen und ent-
scheidenden Beweis. Was er Galilei vorwirlt, ist nicht etwa die
Hingabe an die empirische Beobachtung, es ist der Gebrauch,
den er von der „Abstraktion“ und Hypothese macht. Wenn er
ihm entgegenhält, dass sein Fallgesetz ohne Fundament sei, weil
es nur für den leeren Raum. der tatsächlich nirgend vorhanden