Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

—  323

Isolirung  des  vorausgcse  tzten  Wirthscliaftsgcbildes  und  wir
kennen  bereits  die  Art  derselben.  Jene  Wildniss,  die  den  isolirton
  Staat  umgiebt,  ist  Nichts  als  das  Auf  hören  der  au  sschliess*
lieh  von  dem  städtischen  Mittelpunkt  her  bedingten  Cultur.
Der  landwirthschaftliche  Reingewinn  ist  hiebei  als  die  entscheidende ­
  Ursache  dos  Bodenanbau  s  gedacht.  Er  ist  das  bewegende ­
  Interesse,  mit  dessen  Wegfall  auch  die  Bewirthscliaftung
  verschwindet.  Man  sieht  hienach,  dass  die  Bodencultur
gleichsam  am  Faden  der  Rente  hängt  und  ihren  Schwerpunkt
nicht  etwa  in  der  Arbeit  hat,  die  sich  an  Ort  und  Stelle  versorgt, ­
  und  vermöge  deren  eine  örtlich  beschränkte  Existenz
auch  ohne  eine  durch  den  centralen  Markt  der  grossen  Stadt
erzeugte  Rente  denkbar  ist.  Zu  einer  solchen  Voraussetzung
berechtigt  allerdings  jedes  sociale  Regime,  in  welchem  die
Production  vorherrschend  durch  das  Interesse  der  Rente  bestimmt ­
  wird.  Man  darf  aber  nicht  übersehen,  dass  diese  Thünensche
  Annahme  die  ganze  Einseitigkeit  einer  Productionsweise
  bloslegt,  die  nicht  im  Interesse  des  Arbeiters,  sondern
in  demjenigen  des  Erzielers  von  Rente  ihr  Daseinsprincip
suchen  muss.
PI  In  Wirklichkeit  ist  das  Vorhandensein  landwirthschaftlicher
Production  ursprünglich  sowenig  an  das  Dasein  eines  centralen
städtischen  Marktes  gebunden,  dass  sich  vielmehr  umgekehrt
die  Mittelpunkte  der  Industrie  erst  wie  eine  zweite  Schöpfung
auf  der  Grundlage  des  zerstreuteren  Ackerbaus  ausbilden.  Wer
also  die  Entwicklung  der  gegenseitigen  Beziehungen  zwischen
Stadt  und  Land  feststellen  will,  muss  vor  allen  Dingen  die
Bildung  •  der  kleinen  und  grossen  Knotenpunkte  des  Verkehrs
und  der  Industrie  erklären.  Da  jedoch  die  Wirkungsart  in  der
ontgogongesotzton  Richtung,  nämlich  die  peripherische  Beherrschung ­
  und  Gestaltung  der  ländlichen  Cultur  von  einem  städtischen ­
  oder  sonst  industriellen  Mittelpunkt  aus,  ebenfalls  eine
Wahrheit  und  in  der  spätem  Entwicklung  der  Verhältnisse
sogar  die  am  meisten  in  die  Augen  springende  Thatsache  ist,
so  muss  es  erlaubt  sein,  diese  eine  Richtung  der  Einwirkung
selbständig  zu  coustruiren,  und  hierin  liegt  die  Berechtigung
zu  dem  Thünenscheu  Schema.  Ja  das  letztere  ist  noch  dadurch
besonders  zutreffend,  dass  es  gleichsam  die  Zugkraft  veranschaulicht, ­
  mit  welcher  die  Ausdehnung  und  Gestaltung  des
Bodenanbaus  von  einem  stark  consumirenden  Centrum  bewerk-21*

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.