20 GROSSBRITANIEN — Sociale, Gewerbs- und Handels Verhältnisse.
nach wirkender Fluch der Eroberung des Landes — in grosser Aus
dehnung Gebundenheit der Güter in Folge des Majoratswesens.
(Man rechnete 1815, dass nur 33,000 Familien sich in den Grund
besitz theilten). In Folge dessen sind die vermittelst der Agrikultur
erlangten Resultate (ungeachtet der bis zur neuern Zeit fortgesetzten
künstlichen Förderung vermittelst der Kornzölle, die erst 1849 auf
hörten) bei weitem nicht so bedeutend, als die im Gewerbs- und
Fabrikwesen und im Handel erlangten.
Das naturgomäss, von selbst entstandene, hier aber nicht ver
drängte Prinzip dos Sdf- Government trägt mächtig bei zur Entwick
lung des Wohlergehens der Nation.
Ungeachtet des bereits erwähnten, von der Eroberung Englands
durch die Normanen herrührenden enormen Missstandes, dass sich der
grössere Grundbesitz in den Händen einer verhältnissmässig kleinen
Anzahl von Adelsfamilien befindet (welcher Missstand jedoch durch
Heirathen in Familien aus dem Volke, und durch das Hcrabsteigen der
Nachgeborenen in geringere Standesgrade, wenigstens gemindert wird)
— erproben jene freien Einrichtungen einen so überwiegend wohlthä-
tigen Einfluss, dass der Wohlstand des engl. Volkes unendlich höher
gestiegen ist, als der irgend einer andern eiiro])äischen Nation, und
dass dieses Steigen nur relativ demjenigen nachstellt, welches wir in
dem auch vom Adel freien, republikanischen Nordamerika wahrnehmen.
Ebenso ergeben alle Vergleichungen, dass der Wohlstand im britischen
Reiche in dem nämlichen Maase zunahm, in welchem das aristokra
tische Element, besonders in Fragen der Besteuerung, gebrochen ward.
(Einführung der Einkommenssteuer, Aufhebung der Kornzölle etc.)
In welcher ungemeinen Ausdehnung sich die Lage des Volkes
verbesserte, hat besonders Macaulay (history of England) hervorge
hoben. Bekannt ist, um wie viel besser der englische Arbeiter lebt,
als der deutsche oder der in andern Thollen des europ. Continents.
Der Arbeitslohn ist nicht nur im Allgemeinen höher, als auf dem
Festlande, sondern er ist es auch relativ, im Verhältnisse zum geringem
Werthe des Geldes und den hohem Preisen der Lebensmittel etc.
Es zeigt sich dies am entschiedensten an der Zunahme der durch
schnittlichen Lebensdauer. Nach Quetelet kam um das Jahr 1700
unter den Arbeitern in England jährlich ein Sterbcfall auf 43, um
1840 erst einer auf 51 Einwohner. — Es zeigt sich an der notorisch
stärkeren Fleischkonsumtion, als anderwärts in Europa. Es zeigt
sich aber auch an dem Verbrauche der wichtigsten Colonialprodukte.
Der durchschnittliche Jahresverbrauch betrug nämlich in Centnern zu
100 Pfund engl. :
1801—10
1811—20
1821—30
1831—40
1841—50
1851—52
1853
1854
Zucker Thee Kaffee
2’465,319 235,083 22,705
2’552,767 244,247 75,188
3’350,038 284,971 141,636
3788,517 364,417 249,527
5776,133 442,879 329,531
ß'591,750 543,453 388,047
7’307,280 588,601 370,917
8’096,481 619,703 374,709