fullscreen: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Mittagszeit ist also schon nicht möglich. Bei einmaligem Schicht 
wechsel oder Verfahren von Ueberschichten ist die Tagesbeleg- 
fchaft 10 bis 12 Stunden in der Grube. Das Essen in die 
Grube zu senden, ist erst recht unausführbar. Die Transport 
wege sind da viel zu ausgedehnt, auch fehlen dazu geeignete 
Transportgefäße. Würde aber auf der Zeche trotz alledem die 
Ausspeisung vorgenommen, so bekämen die nichts, die Nacht 
schicht haben, und was das wichtigste ist, die Familienmitglieder 
hätten auch nichts. 
Nehmen aber die Gemeinden das Austeilen warmer Speisen 
in die Hand, so können ziemlich alle, trotz der Wechselschicht, 
ihr Essen holen und mit der Familie verzehren. Diejenigen, 
welche Frühschicht haben, kommen zwar erst in der dritten und 
vierten Stunde, bei längerer Schichtzeit noch später nach Hause. 
Aber diese erhalten auch jetzt in der Fainilie meist nur auf 
gewärmtes Mittagessen. Für sie müßten also die Familien bei 
den Ausgabestellen der Gemeinde das Mittagessen mitholen und 
es dann warm halten bezw. frisch aufwärmen. 
Wir können uns nur für eine Austeilung seitens der Ge 
meinden erwärmen. Der Preis muß aber ein mäßiger und die 
Qualität eine gute sein. Der Preis dürfte pro Portion 26 bis 
höchstens 30 Pf. betragen. Eine zahlreiche Familie kann sich 
sonst aus finanziellen Gründen nicht daran beteiligen, weil die 
Löhne hierzu meist nicht ausreichend sind. Die anderen Speisen, 
welche noch gebraucht werden, sind so teuer, daß an Kleidung 
jetzt gar nicht gedacht werden kann. Deshalb wäre ein in Massen 
hergestelltes, billiges und kräftiges Mittagessen sehr nötig. 
Mit hochachtungsvollem Glück aus! 
Poln. Berufsvereinigung (Abt. Bergarb.) I. A.: Mankowski. 
Gewerkverein der Bergarbeiter (H.-D.). I. A.: Schmidt. 
Verband der Bergarbeiter Deutschlands. I. A.: Sachse. 
Gcwerkverein christl. Bergarb. Deutschlands. I. A.: Vogelfang. 
Eingabe betreffend Aufbesserung der Gedingesätze 
und Schichtlöhnc der Bergarbeiter. 
Essen, Oberhausen, Bochum, den 11. August 1916. 
A n den Vor st and des Zechenverbandes 
in Essen, Bismarckstraße. 
Die unterzeichneten Organisationsvorstände ersuchen den 
Zechenverband, die ihm angeschlossenen Werke zu veranlassen, 
eine angemessene Aufbesserung der Gedingesätze und der L-chicht- 
löhne vorzunehmen. Vor allen Dingen bitten wir, die niedrigst
	        
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