fullscreen: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

und sucht endlich freiwillig ein Schicksal bitterer als das, dem er vor 
Jahren vom Hohenasperg entrann. 
Und heute? Ich sehe in diesem kleinen Kreise mehrere Staatssekre- 
täre und Ministerialdirektoren von verschiedenen Ministerien des Reichs 
und Preußens. Reichswirtschaftsministerium, Reichsernährungsministerium, 
Reichsministerium des Innern, Auswärtiges Amt sind vertreten und meh- 
rere Minister a. D. sind hier, der Kommissar des Reichs für wirtschaft- 
liche Verwaltungsfragen führt den Vorsitz, und in der Aula der stolze- 
sten deutschen Universität hörten wir einen illustren Gast zu Ehren Lists 
sprechen. 
Als Regierungsfunktionär kann man da nur still in seiner Brust wün- 
schen, daß wir heute nicht wieder Menschen und Vorkämpfer vom Schlage 
Lists einen so bitteren Lebensweg gehen lassen. 
Aber ich will Sie mit so melancholischen Gedanken nicht weiter auf- 
halten. Lassen Sie mich nur dem Ausdruck geben, was ich hier, auch ohne 
Verabredung sicher zugleich im Namen meiner Kollegen von den Reichs- 
ministerien, sagen kann. Wir danken Herrn Prof. Notz aufs herzlichste 
für den tiefen und aufschlußreichen Vortrag, den er uns über Lists Leben 
und Wirken in Amerika geboten hat, und für den Dienst, den er damit 
dem Andenken Friedrich Lists und seinem Vaterlande getan hat. Wir 
begrüßen die Friedrich List-Gesellschaft bei ihrer Gründung und ihrer 
ersten gelungenen Veranstaltung und wünschen ihr Glück für ihre fer- 
nere Arbeit. 
4. Rede des Ministerialrats Dr. v. Rottenburg 
vom Preuß. Kultusministerium., Berlin: 
Meine Damen und Herren! 
Der Herr preuß., Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung 
hat mir den ehrenvollen Auftrag zuteil werden lassen, der Friedrich List- 
Gesellschaft seine herzlichsten Grüße und Glückwünsche zu übermitteln 
und ihr für die Durchführung der Aufgabe, die sie sich gesetzt hat, vollen 
Erfolg zu wünschen. Diese Aufgabe, die Herausgabe der Werke Lists, die 
Verbreitung der Kenntnis seiner Lehre, ist primär eine wissenschaftliche 
und, man kann sogar sagen, eine volkspädagogische; es ist darum selbst- 
verständlich, daß die preußische Unterrichtsverwaltung der Gesellschaft 
das allerlebhafteste Interesse entgegenbringt. 
Meine Damen und Herren! Wie gut könnten wir auch in unserer Zeit 
einen solchen Feuerkopf gebrauchen, der, wie einst List den deutschen 
Zollverein und die Schaffung eines Eisenbahnnetzes, so heute vielleicht 
den europäischen Zollverein und den Ausbau des Luftverkehrs sich zur 
Aufgabe setzen würde. Leider scheint es ein Gesetz zu sein, daß gerade 
bahnbrechende Männer, geniale Entdecker von Neuland als Außenseiter 
ihren Weg machen müssen. Das war so, und kann auch wieder so kom- 
men, aber in dieser Hinsicht sollte Friedrich List für uns eine Warnung 
und eine Mahnung bedeuten. Wir können die Vergangenheit nicht än- 
dern, wir können nur versuchen, an dem Andenken Fr. Lists einiger- 
maßen gutzumachen, was unsere „Kollegen“ von damals versäumt haben. 
Und wir können noch etwas tun, was sicher weit mehr im Sinne Lists 
liegt: seine Lehre in uns aufnehmen und würdigen und sie dem gesamten 
Volke näherzubringen suchen. Ich glaube, diese Lehre ist gerade für un- 
sere Zeit von besonderer Bedeutung, die wie die seinige durch Krisen 
hindurch neue wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten sucht. Darum, 
meine Damen und Herren, wünsche ich der Friedrich List-Gesellschaft 
für ihre Arbeit weitestes Wirkungsfeld und reichsten Erfole. 
F
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.