Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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2. Kapitel 
konsum haben, vergleichen wir einmal die Entwicke 
lung zweier großer Staatengebilde der Neuen Welt 
miteinander, die von ziemlich gleicher Größe ungefähr 
zu gleicher Zeit der europäischen Einwanderung er 
schlossen worden sind, und die in bezug auf Frucht 
barkeit des Bodens, Reichtum an RUneralschützen usw. 
kaum voneinander differieren, wir meinen die ver 
einigten Staaten von Nordamerika und die verschie 
denen Staatengebiete Südamerikas. — Wie läßt sich 
die ungeheure Verschiedenheit in der Entwickelung die 
ser Länder erklären? 
Die einen sehr langsam fortschreitend, teilweise 
sogar stagnierend, durchschnittlich arm, trotz großer 
Exportziffern und Beherrschung des Weltmarktes in 
großen Stapelartikeln, wie Kaffee und Kautschuk- das 
andere mit Riesenschritten auf der Bahn wirtschaft 
licher und politischer Größe fortstürmend, Wertakku 
mulationen aufweisend, wie die Welt sie noch nicht 
gesehen hat. Die Tatsache, daß die südamerikanischen 
Länder zum größten Teil der tropischen, die Union 
dagegen mehr der gemäßigten Zone angehört, kann 
den ungeheuren Unterschied nicht erklären, denn Argen 
tinien und Chile liegen gänzlich in der gemäßigten 
Zone. 
von Kennern der südamerikanischen Republiken 
hört man fast durchweg die Ansicht: In diesen herr 
lichen Ländern müßte eine andere Rasse herrschen, 
dann würde sie der Welt ein zweites Nordamerika 
zeigen können. Das bedeutet im Grunde nicht, daß 
diese Völker unintelligent und ohne jegliche Unterneh 
mungslust seien, oder daß die Regierungsform mit ihrer 
Begleiterscheinung, der Korruption, sie zu Loden drückte, 
denn letztere ist in den nordamerikanischen Staaten min-
	        
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