Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

des  Rechtes  auf  Wohlstand  entwickelt,  erklärt  Kropotkin,
das  einzige  Verteilungsprincip,  das  in  einer  communistischen
  Gesellschaft  angenommen  werden  könnte,  sei  jenes
Princip,  welches  jetzt  schon  von  den  Agrargemeinschaften
in  Europa  angenommen  sei.
Wenn  eine  solche  Gemeinschaft  z.  B.  einen  Wald  besitzt, ­
  so  kann  sich  jeder,  solange  das  Kleinholz  nicht
mangelt,  so  viel  davon  nehmen,  wie  er  will,  ohne  eine
andere  Controle,  als  die  öffentliche  Meinung  seiner  Nachbarn. ­

Ebenso  steht  es  mit  den  gemeinschaftlichen  Wiesen.
Solange  es  genug  giebt  für  die  Gemeinschaft,  fragt  keiner
darnach,  was  die  Kühe  jedes  Haushaltes  gefressen  haben,
oder  wie  viele  Kühe  auf  den  Wiesen  geweidet  haben.  Zur
Aufteilung  oder  zur  Zumessung  schreitet  man  nur,  wenn
die  Wiesen  nicht  zureichen.
Wenn  man  nach  den  osteuropäischen  Ländern  kommt,
wo  der  Wald  den  Einwohnern  zur  freien  Verfügung  steht,
und  Land  genug  vorhanden  ist,  sieht  man,  wie  die  Bauern
ganz  nach  Bedarf  in  den  Wäldern  Holz  fällen  und  so  viel
Boden  bestellen,  wie  sie  nötig  haben,  ohne  daran  zu
denken,  das  Holz  zuzumessen  und  das  Land  in  Parcellen
zu  teilen.  Aber  sobald  an  einem  oder  dem  anderen  Mangel
eintritt,  wie  es  jetzt  schon  in  Russland  der  Fall  ist,  wird
das  Holz  und  das  Land  nach  den  Bedürfnissen  jeder
Familie  aufgeteilt.
Mit  einem  Worte:  freie  Verfügung  über  das,
was  man  im  Ueberflusse  besitzt;  Zumessung  von  dem,
was  gemessen,  geteilt  werden  muss.  Von  den  350  Millionen ­
  Menschen,  die  Europa  bewohnen,  leben  200  noch
nach  diesen  Sitten,  die  ihre  Wurzeln  tief  in  der  Natur
des  Menschen  haben.*)
Wir  müssen  indes  bemerken,  dass  sich  diese  primitiven ­
  Verteilungsarten  am  häufigsten  bei  natürlichen

h )  Kropotkin:  Der  Wohlstand  für  alle.  (Zürich,  1896).
            
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