Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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die Neger verhandelt; aufserdem Tücher, Woll- und Leinwaren, 
Kleider, billige Schmuckgegenstände, grofse Mengen west 
indischer Spirituosen und Zucker in schlechter Qualität. Alle 
entsprechenden Gewerbe hatten somit ein unmittelbares Inter 
esse an dem Fortbestehen des Negerhandels. 
Im fünften Kapitel wird jedoch nachzuweisen versucht 
werden, dafs seit 1783 dem afrikanischen Markt bei weitem 
nicht mehr die frühere Bedeutung zukam und dafs Englands 
kommerzielles Interesse durch die Abolition keineswegs emp 
findlich berührt werden konnte. Der Exportwert der für 
Afrika bestimmten Güter betrug damals in Liverpool und 
Bristol nur Vso von dem ihrer sonstigen Ausfuhr (Wilberforce 
18. IV. 1791, H. o. G); Mr. Smith (19. IV. 1791) meinte, 
nur der Schiefspulverhandel könnte durch die Abolition be 
einträchtigt werden. Mit Clarkson (Impolicy II, S. 120) zu 
sprechen, hätte die Abolition in dem Wirtschaftsleben Man 
chesters keine gröfsere Störung hervorgerufen „als die Er 
findung einer neuen Knopfform“. Birmingham fabrizierte nur 
Schufswaffen für die Neger, die anderen Plätze nur Ketten 
und Folterinstrumente. Der Report 1789 (IV, Tab. 4) aller 
dings gab zwar an, dafs in Birmingham sich 4—5000 Personen 
von der Herstellung solcher Feuerwaffen nährten. Indessen 
war gar nicht gesagt, dafs dieser Export mit der Abolition 
aufhören mufste. Die Neger hätten sich — behauptete man — 
an die englischen Fabrikate so sehr gewöhnt, dafs sie auch 
in Landesprodukten dafür gezahlt hätten, wenn die Engländer 
keine Sklaven mehr annähmen. 
Die Hauptbedeutung des Sklavenhandels lag natürlich in 
Westindien. In dieser Beziehung galt wörtlich das, was 
S. V. Waltershausen (S. 100) sagt: Er hätte England kolossale 
Reichtümer eingebracht; alle produzierenden Klassen Englands 
wären durch ihn berührt worden, da er eine durchaus natio 
nale Angelegenheit gewesen sei. Wer seine Wichtigkeit im 
vollen Umfange erfassen will, halte sich das Wesen der mer 
kantil istischcn Kolonialpolitik scharf vor Augen. Die Kolonien 
waren blofse Ausbeutungsobjekte für die Kapitalisten des 
Mutterlandes. Wie erzielt man die höchsten augenblicklichen 
Reinerträge von Grund und Boden? Das war für sie die 
wichtigste Frage, die mit brutaler Rücksichtslosigkeit gelöst 
wurde. Ohne die Arbeit Tausender von Sklaven hätten die 
reichen Bodenschätze Westindiens keinen Pfennig abgeworfen, 
Ihr Wohlstand, ihre ganze Bedeutung beruhte vollständig auf 
der Sklaverei. 
Diesen Zustand zu erhalten, den vorhandenen Sklaven 
bestand zu mehren und die überarbeiteten, absterbenden Ele 
mente durch frische Importe zu ersetzen, war der Zweck des 
Sklavenhandels. Die Sklavenarbeit war durchaus der wich 
tigste Produktionsfaktor in der westindischen Plantagenwirt-
	        
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