XXV 1.
15
geführten Weine (= 30000 £) und zuletzt die Kosten und
Frachten der aus den Vereinigten Staaten und aus Britisch-Nordamerika
den Zuckerinseln zugeführten Lebensmittel usw.
(= 1 Mill. £) müssen hinzugelegt werden. Offizielle Wertangaben
darüber sind nirgends veröffentlicht worden. Doch
schätzte Edwards (IV, c. III) u. a. den Oesamtexport von
Grofsbritannien nach Britisch-Westindien auf rund 4 Mill.
Stellt man diese 4 Mill ,=&' dem soeben erwähnten westindischen
Export von 5—6 Mill. j£ gegenüber, so ergibt sich
für Grofsbritannien eine „passive“ Handelsbilanz von 1 bis
2 Mill. Der westindische Handel hätte mithin nach der
Anschauung der Zeit als „ungünstig“ bezeichnet werden
müssen. Dafs dem nicht so war, hatte England seinen nordamerikanischen
Kolonien auf dem Festlande zu verdanken.
Damit sind wir bei den westindisch-nordamerikanischen Handelsbeziehungen
angelangt, die für den Sklavenhandel gleichfalls
von erheblicher Bedeutung waren.
Die wirtschaftlichen Beziehungen Westindiens zu Nordamerika
waren von alters her überaus enge. Ihre beiderseitige
Lage am Meer sowie ihre politische Zugehörigkeit zu
ein und demselben Mutterlande begünstigten von jeher einen
regen Austauschhandel zwischen den Produkten beider Geschwisterkolonien.
Die westindischen Pflanzer produzierten
nur Kolonialwaren, aber so gut wie gar keine Lebensmittel,
die sie von den nordamerikanischen Farmern bezogen. Letztere
hatten Überflufs an Getreide, Vieh und Holz. Die seefahrenden
Neuenglandstaaten spielten den Vermittler, den Frachtführer
für beide Teile. Sie deckten fast den gesamten westindischen
Bedarf an Lebensmitteln, an Getreide, Mehl, Erbsen,
Lohnen und sonstigem Gemüse, an Schlachtvieh, Pferden und
Mauleseln, ferner an Holz zum Häuser- und Mühlenbau sowie
z ur Herstellung der Zucker- und Rumfässer, an Reis, Tabak
sowie an Unmengen von getrockneten und gesalzenen Fischen
aus der Neufundlandfischerei, die in ganz Westindien als die
billigste Negernahrung stark begehrt waren. Was das spätere
Kritisch - Nordamerika (Kanada usw.) von diesen Produkten
lieferte, war fast gleich Null zu setzen im Vergleich zu den
Lieferungen aus den Vereinigten Staaten. Z. B. stammten
von den 1208 Schiffsladungen, die im Jahre 1772 Holz
und Lebensmittel aus Nordamerika nach Br i tisch-Westindien
brachten, alle bis auf sieben aus den später sich als unabhängig
erklärenden Unionsstaaten (Edwards VI, c. IV). Damit
stand unbestreitbar fest, dafs die britischen Zuckerpflanzer in
direr Ernährung vollständig auf die Vereinigten Staaten angewiesen
waren — ein Punkt, der in einer Untersuchung über
die Abolition nicht scharf genug hervorgehoben werden kann
und auf den wir später noch zurück kommen werden. —
Die Westindier bezahlten die Nordamerikaner, wenn nicht