Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

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geführten  Weine  (=  30000  £)  und  zuletzt  die  Kosten  und
Frachten  der  aus  den  Vereinigten  Staaten  und  aus  Britisch-Nordamerika
  den  Zuckerinseln  zugeführten  Lebensmittel  usw.
(=  1  Mill.  £)  müssen  hinzugelegt  werden.  Offizielle  Wertangaben ­
  darüber  sind  nirgends  veröffentlicht  worden.  Doch
schätzte  Edwards  (IV,  c.  III)  u.  a.  den  Oesamtexport  von
Grofsbritannien  nach  Britisch-Westindien  auf  rund  4  Mill.
Stellt  man  diese  4  Mill  ,=&'  dem  soeben  erwähnten  westindischen ­
  Export  von  5—6  Mill.  j£  gegenüber,  so  ergibt  sich
für  Grofsbritannien  eine  „passive“  Handelsbilanz  von  1  bis
2  Mill.  Der  westindische  Handel  hätte  mithin  nach  der
Anschauung  der  Zeit  als  „ungünstig“  bezeichnet  werden
müssen.  Dafs  dem  nicht  so  war,  hatte  England  seinen  nordamerikanischen ­
  Kolonien  auf  dem  Festlande  zu  verdanken.
Damit  sind  wir  bei  den  westindisch-nordamerikanischen  Handelsbeziehungen ­
  angelangt,  die  für  den  Sklavenhandel  gleichfalls
von  erheblicher  Bedeutung  waren.
Die  wirtschaftlichen  Beziehungen  Westindiens  zu  Nordamerika ­
  waren  von  alters  her  überaus  enge.  Ihre  beiderseitige ­
  Lage  am  Meer  sowie  ihre  politische  Zugehörigkeit  zu
ein  und  demselben  Mutterlande  begünstigten  von  jeher  einen
regen  Austauschhandel  zwischen  den  Produkten  beider  Geschwisterkolonien. ­
  Die  westindischen  Pflanzer  produzierten
nur  Kolonialwaren,  aber  so  gut  wie  gar  keine  Lebensmittel,
die  sie  von  den  nordamerikanischen  Farmern  bezogen.  Letztere
hatten  Überflufs  an  Getreide,  Vieh  und  Holz.  Die  seefahrenden ­
  Neuenglandstaaten  spielten  den  Vermittler,  den  Frachtführer ­
  für  beide  Teile.  Sie  deckten  fast  den  gesamten  westindischen ­
  Bedarf  an  Lebensmitteln,  an  Getreide,  Mehl,  Erbsen,
Lohnen  und  sonstigem  Gemüse,  an  Schlachtvieh,  Pferden  und
Mauleseln,  ferner  an  Holz  zum  Häuser-  und  Mühlenbau  sowie
z ur  Herstellung  der  Zucker-  und  Rumfässer,  an  Reis,  Tabak
sowie  an  Unmengen  von  getrockneten  und  gesalzenen  Fischen
aus  der  Neufundlandfischerei,  die  in  ganz  Westindien  als  die
billigste  Negernahrung  stark  begehrt  waren.  Was  das  spätere
Kritisch  -  Nordamerika  (Kanada  usw.)  von  diesen  Produkten
lieferte,  war  fast  gleich  Null  zu  setzen  im  Vergleich  zu  den
Lieferungen  aus  den  Vereinigten  Staaten.  Z.  B.  stammten
von  den  1208  Schiffsladungen,  die  im  Jahre  1772  Holz
und  Lebensmittel  aus  Nordamerika  nach  Br  i  tisch-Westindien
brachten,  alle  bis  auf  sieben  aus  den  später  sich  als  unabhängig
  erklärenden  Unionsstaaten  (Edwards  VI,  c.  IV).  Damit
stand  unbestreitbar  fest,  dafs  die  britischen  Zuckerpflanzer  in
direr  Ernährung  vollständig  auf  die  Vereinigten  Staaten  angewiesen ­
  waren  —  ein  Punkt,  der  in  einer  Untersuchung  über
die  Abolition  nicht  scharf  genug  hervorgehoben  werden  kann
und  auf  den  wir  später  noch  zurück  kommen  werden.  —
Die  Westindier  bezahlten  die  Nordamerikaner,  wenn  nicht
            
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