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der Geistlichkeit, die Beseitigung aller sonstigen überlebten
sozialen und politischen Institutionen, insbesondere die Bauern
befreiung, Gewerbefreiheit usw. — dies alles sind Leistungen,
die ein und demselben Freiheitsideal des 18. Jahrhunderts
entsprossen. Wie sollte es anders stehen mit der Ab
schaffung der Kolonialsklaverei und des Sklavenhandels! Ein
Überfluten der liberalen Ideen in die europäischen Kolonien —
zunächst weiter nichts bedeuten die Abolition und die Emanzi
pation.
Den freien Hauch dieser Geistesströmung hat ja England
nicht weniger als andere Nationen zu spüren bekommen. Der
Kampf zwischen Königtum und Parlament, die „glorreiche
Revolution“, die Durchsetzung der staatsrechtlichen Theorien
Lockes, der kirchlichen Reformen im älteren England des
17. Jahrhunderts, später dann die Emanzipation der Katholiken,
die politische und wirtschaftliche Vereinigung Irlands mit Grofs-
britannien (1801), die Parlamentsreform von 1832, die Über
windung des alten Kolonialsystems, die Reformen unter Canning
und Huskisson, sowie die längst früher als in den 1840er Jahren,
nämlich schon seit 1794 notwendig gewordene Aufhebung der
Navigationsakte in Westindien — sie alle sind, wie die Abo
lition, Errungenschaften des mit der Reformation einsetzenden
individualistischen Zeitalters, die in einem uralten Freiheits
ideal ihre gemeinsame Wurzel haben. —
Unterstützt wurden die aus allgemein-menschlichen Ideen
entspringenden Motive durch die Ergebnisse der neueren libe
ralen Nationalökonomie. Sie befafste sich allerdings mehr mit
der Abschaffung der Sklaverei und bekämpfte somit den Neger
handel nur indirekt. Lehrsätze wie z. B. : „der freie Arbeiter
ist der leistungsfähigste“ oder „der bestbehandelte Arbeiter ist
der billigste“ kamen den Abolitionisten sehr zustatten und
spielten bei der Frage, wie die Negerarbeit ertragreicher ge
staltet werden könnte, eine wichtige Rolle. Unter den wissen
schaftlichen Vorkämpfern der Abolition verdient als erster
Ad. Smith genannt zu werden. In seiner „Theorie of moral
sentiments“ wandte er sich mit folgenden Worten gegen den
Menschenhandel: „There is not a negro from the coast of
Africa, who does not possess a degree of magnani
mity which the soal of his sordid master is too often scarce
capable of conceiving. Fortune never exerted more cruelly
her empire over mankind than when she subjected those
nations of heroes to the refuse of the gaols of Europe, to
wretches who possess the virtue neither of the countries they
came from, nor of those they go to, and whose levity, bru
tality and baseness so justly expose them to the contempt of
the vanquished.“ — Auch in seinem „Wealth of Nations“
nimmt Smith bei jeder Gelegenheit Stellung gegen die Sklaven
arbeit. „Je besser die Sklaven behandelt werden, umsomehr