Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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der Geistlichkeit, die Beseitigung aller sonstigen überlebten 
sozialen und politischen Institutionen, insbesondere die Bauern 
befreiung, Gewerbefreiheit usw. — dies alles sind Leistungen, 
die ein und demselben Freiheitsideal des 18. Jahrhunderts 
entsprossen. Wie sollte es anders stehen mit der Ab 
schaffung der Kolonialsklaverei und des Sklavenhandels! Ein 
Überfluten der liberalen Ideen in die europäischen Kolonien — 
zunächst weiter nichts bedeuten die Abolition und die Emanzi 
pation. 
Den freien Hauch dieser Geistesströmung hat ja England 
nicht weniger als andere Nationen zu spüren bekommen. Der 
Kampf zwischen Königtum und Parlament, die „glorreiche 
Revolution“, die Durchsetzung der staatsrechtlichen Theorien 
Lockes, der kirchlichen Reformen im älteren England des 
17. Jahrhunderts, später dann die Emanzipation der Katholiken, 
die politische und wirtschaftliche Vereinigung Irlands mit Grofs- 
britannien (1801), die Parlamentsreform von 1832, die Über 
windung des alten Kolonialsystems, die Reformen unter Canning 
und Huskisson, sowie die längst früher als in den 1840er Jahren, 
nämlich schon seit 1794 notwendig gewordene Aufhebung der 
Navigationsakte in Westindien — sie alle sind, wie die Abo 
lition, Errungenschaften des mit der Reformation einsetzenden 
individualistischen Zeitalters, die in einem uralten Freiheits 
ideal ihre gemeinsame Wurzel haben. — 
Unterstützt wurden die aus allgemein-menschlichen Ideen 
entspringenden Motive durch die Ergebnisse der neueren libe 
ralen Nationalökonomie. Sie befafste sich allerdings mehr mit 
der Abschaffung der Sklaverei und bekämpfte somit den Neger 
handel nur indirekt. Lehrsätze wie z. B. : „der freie Arbeiter 
ist der leistungsfähigste“ oder „der bestbehandelte Arbeiter ist 
der billigste“ kamen den Abolitionisten sehr zustatten und 
spielten bei der Frage, wie die Negerarbeit ertragreicher ge 
staltet werden könnte, eine wichtige Rolle. Unter den wissen 
schaftlichen Vorkämpfern der Abolition verdient als erster 
Ad. Smith genannt zu werden. In seiner „Theorie of moral 
sentiments“ wandte er sich mit folgenden Worten gegen den 
Menschenhandel: „There is not a negro from the coast of 
Africa, who does not possess a degree of magnani 
mity which the soal of his sordid master is too often scarce 
capable of conceiving. Fortune never exerted more cruelly 
her empire over mankind than when she subjected those 
nations of heroes to the refuse of the gaols of Europe, to 
wretches who possess the virtue neither of the countries they 
came from, nor of those they go to, and whose levity, bru 
tality and baseness so justly expose them to the contempt of 
the vanquished.“ — Auch in seinem „Wealth of Nations“ 
nimmt Smith bei jeder Gelegenheit Stellung gegen die Sklaven 
arbeit. „Je besser die Sklaven behandelt werden, umsomehr
	        
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