Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

55

und  die  Kolonien  allmählich  normalen  Bevölkerungsverhältnissen ­
  entgegengehen.“  —  Die  Richtigkeit  dieser  Behauptungen
weist  Pitt  an  den  einzelnen  Inseln  nach  (siehe  auch  Blake,
S.  218  ff.).  „Auf  Barbadoes  hat  sich  die  Zahl  der  Sklaven
eher  vermehrt  als  vermindert.  Auf  Jamaika,  wo  die  Hälfte
aller  britischen  Sklaven  wohnt,  hält  sich  gleichfalls  ihre
Zahl.  Die  hier  immer  noch  fortdauernden  starken  Importe
werden  weniger  zur  Ausfüllung  der  durch  den  Tod  gerissenen
Lücken  als  zur  Anlage  von  neuen  Zuckerplantagen  verwendet.
Antigua  steht  nur  infolge  aufsergewöhnlicher  Unglücksfälle  —
Mifsernten  —  ungünstiger  da.  Dominica  weist  nach  den  Angaben ­
  des  Gouverneurs  eine  Vermehrung  auf.  Über  Grenada
und  Vincent  ist  man  noch  im  Zweifel,  doch  werden  die  Ergebnisse ­
  nicht  ungünstiger  sein  als  auf  den  anderen  Inseln.“  —
„Die  hohe  Sterblichkeit  ist  gerade  der  stärkste  Beweis  für  die
Notwendigkeit  der  Abolition,  weil  die  Bevölkerungsverhältnisse ­
  sonst  immer  ungünstiger  würden“  (Fox,  19.  April  1791).
Wie  man  sieht,  schrieben  die  Genannten  die  etwa  noch
vorhandenen  Todesüberschüsse  in  erster  Linie  den  frisch  importierten ­
  Sklaven  zu.  In  der  Tat  müssen  jene,  nach  allen
Quellen  zu  urteilen,  erstaunlich  hoch  gewesen  sein,  so  dafs  sie
leicht  das  ganze  Bild  von  der  Bevölkerungsbewegung  auf  den
Inseln  entstellt  haben  können.  Die  hohe  Todesziffer  erklärt
sich  aus  der  schrecklichen  Verfassung,  in  der  die  unglücklichen ­
  Geschöpfe  in  Westindien  ankamen.  Viele  von  ihnen
waren  buchstäblich  halbtot;  sie  pflegten,  weil  sie  sonst  niemand
kaufte,  für  ein  paar  Dollars  meistbietend  versteigert  zu  werden
und  starben  dann  gewöhnlich  bald  dahin.  Waren  sie  so
schwach,  dafs  sich  überhaupt  kein  Käufer  mehr  fand,  oder
dafs  der  Erlös  für  sie  die  Verkaufssteuern  nicht  deckte,  so
wurden  sie  häufig  einfach  ins  Meer  geworfen,  weil  die  Schiffsoffiziere ­
  an  möglichst  hohen  Durchschnittspreisen  für  Sklaven
interessiert  waren  (Clarkson,  Ess.  on  Slavery  etc.,  S.  103).  4  V2  °l0
betrug  nach  einem  Bericht  der  Jamaica  Assembly,  die  gewifs
keinen  Grund  hatte,  den  Prozentsatz  zu  hoch  anzugeben,  der
Verlust  an  Toten  blofs  zwischen  der  Ankunfts-  und  der  Verkaufszeit ­
  (Wilberforce,  18.  April  1791).  Ein  Drittel  bis  ein
Viertel,  nach  Pitt  (H.  0.  C.,  19.  April  1791)  sogar  die  Hälfte
der  Angekommenen  starben  während  der  „seasoning".  Selbst
in  „Doubts  on  the  abolition“  wird  der  Verlust  von  einem
Drittel  nicht  abgeleugnet.  Er  kam  auch  zum  Ausdruck  in
dem  Preisunterschied  zwischen  den  „seasoned  negroes“  und
den  „newly  imported“.  Erstere  waren  viel  teurer,  nach  Clarkson
(Impolicy,  S.  104),  Mr.  Stanley  (19.  April  1791)  doppelt  so
teuer.  Von  den  100000  Negern,  die  jährlich  durch  die  Europäer ­
  aus  Afrika  verschifft  wurden,  überstanden  nur  75000  die
Seefahrt,  und  von  letzteren  starben  in  einem  Zeitraum  von
zwei  Jahren  weitere  20000,  so  dafs  von  100000  Verschifften
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.