Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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Ausschaltung der beiden mittleren Gruppen die Abolitions 
bewegung vielleicht zutreffend als ein Kampf „with the gigantic 
commercial interests of Liverpool and Bristol and the proprie 
tors of the West India plantations“ bezeichnen (Blake, S. 187). 
Brougham (IV, S. 493) meint: „The only classes of men who 
can be affected by the abolition are the African traders in 
the mother country, and the proprietors of plantations.“ Er 
setzt noch hinzu: „The European traders may easily find em 
ployment in the other branches of domestic and foreign trade. “ 
Als dieser Ausweg seit Beginn des Krieges mit Frankreich 
1793 von den englischen Kaufleuten benützt wurde, war es 
nicht zuviel behauptet, wenn man sagte, dafs das Wohl und 
Wehe keines einzigen britischen Geschäftszweiges notwendig 
von dem Sklavenhandel abhing, was sich allerdings erst aus 
den späteren Abschnitten übersehen läfst. — 
b) In Amerika. 
Hatte England vermöge seiner hochentwickelten Manu 
fakturen, der Schnelligkeit seiner Schiffe und wegen des Kredites, 
den es länger als andere Händler an der Küste geben konnte, 
beim Sklaveneinkauf immer noch gewisse Vorteile vor fremden 
Wettbewerbern voraus (Report 89, I), so war es ihm seit 1783 
verwehrt, dieselben auszunutzen. Die westeuropäischen Mächte 
trieben damals insgesamt jede eine intensive Kolonial Wirtschafts 
politik. Jeder Kolonien besitzende Staat ging daran, dieselben 
nach allen Regeln des Kolonialsystems auszubeuten, die vor 
handenen Plantagen auszudehnen, neue anzulegen und nament 
lich den Ein- und Ausfuhrhandel der überseeischen Gebiete 
in eigene Hand zu nehmen. Frankreich, Spanien und Holland, 
bisher in gröfserer oder geringerer Abhängigkeit von den 
britischen Sklavenlieferungen, gaben sich in den 1780er Jahren 
Gesetze zu dem Zwecke, ihren eigenen Sklavenhandel durch 
Exportprämien, Tonnengelder usw. zu begünstigen und den 
der Ausländer, zumeist der Engländer, durch Differentialzölle 
oder offene Verbote einzuschränken (Report 89, VI). Für die 
englischen Rhederinteressen war dies ein harter Schlag; 
gingen doch, wie der dritte Teil lehrte, rund 2 /s ihrer Neger 
transporte ins Ausland! Die unmittelbaren Wirkungen dieser 
ungünstigen Behandlung britischer Importe waren Absatz 
stockungen und Überfüllung der englischen Sklavenmärkte in 
Westindien, niedrige Preise und weitere Verschlechterung des 
Sklavengeschäftes. Aus der Billigkeit der Sklaven entsprangen 
dann alle die Laster, die bereits in den früheren Teilen ge 
streift wurden, nämlich grausame Behandlung, sinnlose Steige 
rung der Produktion, der Spekulation, Verschuldung, Schleuder 
preise für Zucker, Bankerotte usw. 
Vornehmlich Frankreich machte damals die gröfsten An- 
Forschungen XXV 1 (116). — Hochstetter. 5
	        
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