Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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von  40  Schiffen  auf  15  im  Jahre  1789  zurückgegangen  war.
Die  holländischen  Kolonien  brauchten  jährlich  etwa  7000  frische
Neger,  von  denen  das  Mutterland  nur  4000  zu  liefern  imstande ­
  war.  Den  fehlenden  Rest  —  3000  Stück  —  importierten ­
  englische  Händler  heimlich  (Brougham  I,  8.  533).  Ein
Notgesuch  der  Pflanzer  aus  Holländisch-Guyana  an  die  Amsterdamer ­
  Regierung,  britische  Importe  zu  gestatten,  wurde  kurzweg ­
  abgeschlagen.
Was  England  sonst  noch  an  Sklaven  für  fremde  Kolonien
lieferte,  ging  über  die  dänisch-westindischen  Freihäfen  St.  Thomas,
St.  Croix  und  St.  John.  Letztere  boten  bis  zum  Ausbruch
des  Krieges  im  Jahre  1793  einen  Absatzmarkt  für  schätzungsweise ­
  6—8000  englische  Sklaven,  die  von  dort  wiedeP  in  den
Schiffen  aller  möglichen  Nationen  in  die  Länder  Mittel-  und
Südamerikas  weitergeführt  wurden.  Dieser  Handel  war  für
Grofsbritannien  recht  günstig;  doch  seine  Stunde  hatte  geschlagen, ­
  als  1792  eine  königl.  dänische  Verordnung  seine
Dauer  auf  10  Jahre  einschränkte  und  ihn  vom  1.  Januar  1803
ab  verbot.  Den  abolitionistischen  Neigungen  in  England  wurde
dadurch  ein  neuer  Anstofs  gegeben.  Wir  kommen  auf  diesen
Punkt  in  einem  späteren  Kapitel  zurück.

Sechster  Teil.
Seine  Schädlichkeit  für  die  britische  Marine.
Nicht  nur  unrentabel,  sondern  obendrein  verheerend  für
die  britische  Marine  ist  der  Sklavenhandel  gewesen.  „The
slave  trade  is  not  the  nursery  but  the  grave  of  the  British
marine!“  (Clarkson,  Impol.,  ch.  V.).
Dies  Argument  ist  von  den  Abolitionisten  mit  gutem  Erfolge ­
  gegen  den  Handel  ins  Feld  geführt  worden.  Pitt,  Fox
und  Lord  Grenville  sollen  durch  Clarksons  unwiderlegliche
Beweise  für  diese  Tatsache  aus  Zweiflern  zu  Anhängern  der
Abolition  bekehrt  worden  sein  (Clarkson,  History  I,  S.  474).
J.  Ramsay  scheint  einer  der  ersten  gewesen  zu  sein,  die  sich
dieses  Argumentes  bedienten.  „Jeder  weifs,“  schrieb  er  bereits
1784,  „dafs  der  Sklavenhandel  für  unsere  Seeleute  vernichtend
ist,  zur  Freude  der  Kapitäne,  die  durch  die  starken  Verluste
an  Mannschaften  auf  der  middle  passage  an  Löhnen  sparen.“
Zum  Sklavenfang  an  der  Küste,  den  die  Matrosen  häufig  selbst
besorgten,  gehörten  nämlich  mehr  Leute  als  nachher  zur  Überfahrt ­
  nach  Westindien.  Darum  behandelten  die  Kapitäne  ihre
Mannschaften  unterwegs  so  barbarisch,  um  alle  überflüssigen
Matrosen  zur  Desertion  zu  treiben  und  möglichst  wenig  Lohn
zu  zahlen.  Clarksons  Enthüllungen  über  die  furchtbaren  Leiden
der  englischen  Matrosen,  die  nach  Afrika  fuhren,  machten
grofses  Aufsehen.  Seine  Informationsreisen  nach  Liverpool,
            
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