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XXV 1.
Schritt muiste notwendig ewige Todfeindschaft zwischen Frank
reich und Grofsbritannien nach sich ziehen. Die französische
Kriegserklärung gab Grofsbritannien die längst ersehnte Ge
legenheit, über seinen Rivalen herzufallen und die seit dem
Abfall Nordamerikas bestehenden Tendenzen — den britischen
Kolonialhandel gänzlich zu überwältigen — in ihr Gegenteil
umzukehren. „Die einzige Tatsache, dafs der Zuckerhandel
Französisch-Domingos 1781 fast 2 ls des ganzen auswärtigen
britischen Handels betragen hätte 1 , würde ausreichen, den
ganzen Revolutionskrieg, vorzüglich den seit 1803 aufzuhellen!“
(Ross. Ann. 1807, 9. Stück, S. 329).
Auf eine geschichtliche Darstellung der kriegerischen Er
eignisse kann in dieser nationalökonomischen Arbeit verzichtet
werden. Nur über die Mittel, mit welchen England seine
Handels- und Wirtschaftspolitik in Westindien verteidigte, sei
einiges gesagt. Sie sind typisch für seine ganze damalige
Kolonialpolitik und wohl geeignet, auf die Abolition, als
wirtschaftskriegerische Mafsregel aufgefafst, ein Licht zu
werfen.
Die erste Folge des Kriegsausbruches für die britischen
Pflanzer war eine weitere Benachteiligung gegenüber ihren
ausländischen Konkurrenten. Die gesamte Ein- und Ausfuhr
der britischen Inseln spielte sich gemäfs den gesetzlichen Be
stimmungen vom 4. April 1788 ausschließlich in britischen
Schiffen ab. Liefs sich dies törichte Gebot schon im Frieden
nur mit Mühe und zum schweren Nachteil der Pflanzer auf
rechterhalten, so erwies es sich jetzt im Seekriege unhaltbar.
Französische Kreuzer kaperten und belästigten die britischen
Schiffe bei jeder Gelegenheit und stellten den Aufsenhandel
der englischen Zuckerinseln oft in Frage. Wäre er wie früher
in amerikanischen, d. h. in neutralen Fahrzeugen geführt
worden, so hätten die Franzosen sich nicht an ihm vergreifen
können. Für die französischen Inseln traf letztere Voraus
setzung zu. Seit dem Abkommen vom 30. August 1784 (Ar
tikel 2 und 3, Arnould I, S. 333) wurde ein grofser Teil ihres
Außenhandels von neutralen amerikanischen Schiffen besorgt
und war dadurch gegen englische Handstreiche geschützt. Der
französische Pflanzer erfreute sich derselben Sicherheit wie im
Frieden, während der englische allen Wechsel fällen des Krieges
ausgesetzt war. Infolgedessen stiegen die britischen Fracht
kosten für die nach Europa gesandten Kolonialwaren beträcht
lich und verteuerten ihre ohnehin schon viel zu hohen Zucker
preise dermaßen, dafs sie immer schwerer Absatz fanden.
Die energischen Bemühungen und Petitionen der eng
lischen Pflanzer um Abhilfe dieses unerträglichen Zustandes
1 Der britische Handel hatte damals wegen des Krieges enorme
Einbufse erlitten.