Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

132  Achtes  Kapitel.  Ausbau  und  Ende  der  antiken  Weltwirtschaft.
der  Kaiserzeit,  soweit  sie  Getreide  für  den  Verkauf  produzierten,  zum
großen  Teile  nicht  konkurrenzfähig.  Die  Latifnndienwirtschaft
in  den  Provinzen  führte  infolge  der  hohen  Geld-  und  Naturalbesteuerung ­
  zunächst  zu  einem  verbesserten  Betrieb,  wodurch  die
Preise  nur  noch  weiter  gesenkt  wurden,  soweit  das  Getreide  nicht
direkt  in  die  Speicher  des  Staates  floß.  In  Nom  suchte  nun  alles
an  der  Getreideverteilung  Anteil  zu  haben,  man  ließ  Sklaven  frei,
nur  um  so  einen  Getreideanteil  für  sie  zu  erhalten,  da  ja  die  Verteilung ­
  nur  für  freie  Bürger  bestimmt  war  (S.  107),  selbstverständlich ­
  nicht  für  Fremde,  wie  ja  auch  unsere  Armenfürsorge  sich
nur  auf  die  eigenen  Bürger  erstreckt.  Daß  vorwiegend  die  ärmeren
Klassen  die  Getreidespenden  ausnutzten,  ist  klar.  Die  großen  Grundbesitzer ­
  hatten  sich  in  Italien  neuen  Erwerbszweigen  zugewendet,
der  Weidewirtschaft,  dem  Handel  und  Geldgeschäft,  und  verwendeten
  einen  Teil  ihrer  Güter  zur  Anlage  von  Parks  und  Villen.
Da  die  Arrondierung  von  Gütern  die  kleinen  Bauern  verdrängte,
wurde  der  Zuzug  nach  Rom  nur  noch  weiter  gesteigert  (S.  105).
Wo  aber  der  Getreidebau  bestehen  blieb,  sowohl  in  Italien  als
auch  in  den  Provinzen,  da  wurde  allmählich  eine  neue  Wirtschaftsweise, ­
  hier  später,  dort  früher,  rentabler,  die  Zerlegung  der
großen  einheitlichen  Betriebe  in  eine  große  Zahl
kleiner,  wobei  meist  nur  ein  Teil  unter  direkter  Verwaltung
des  Eigentümers  blieb,  der  Rest  Pächtern  oder  Angestellten  zugewiesen ­
  wurde.  Die  Sklavenzahl  nahm  nämlich  infolge  des  langen
Friedens  ab,  und  die  intensivere  Bebauung  war  in  vielen  Gegenden ­
  nur  bei  kleinen  Betrieben  möglich  (Plinius,  Briefe  III,  19).
Um  den  Raubbau  zu  verhindern  und  dem  Pächter  gleichzeitig
die  Möglichkeit  zu  geben,  Verluste  wieder  einzubringen,  war  man
auch  vielfach  zur  Erbpacht  übergegangen,  bei  welcher  dem  Pächter,
solange  er  seinen  Pachtzins  zahlte,  nicht  gekündigt  werden  konnte.
Dabei  gab  es  häufig  noch  zwischen  dem  Eigentümer,  der  nicht
selten  seine  Renten  in  Rom  verzehrte,  Großpächter,  die  ihrerseits ­
  erst  an  die  Kleinpächter  weiterverpachteten.  Der  Verpächter
hat  vielfach  eine  wirtschaftliche  Oberleitung  dadurch  behalten,  daß
er  dem  Pächter  z.  B.  Sklaven  oder  Geräte  dauernd  oder  für  gewisse ­
  Zeit  zur  Verfügung  stellte  und  auch  die  Kontrolle  über  die
Art  des  Betriebes  hatte.  Doch  haben  sich  viele  dieser  kleinen  Betriebe ­
  schon  sehr  früh  in  der  Wirtschaftsführung  selbständig  gemacht. ­
  Die  Umwandlung  von  Ackerboden  in  Weideland  hat  dann
keine  große  Rolle  mehr  gespielt.  Die  Latifundien  in  Afrika  z.  B.,
            
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