Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

38  Drittes  Kapitel.  Das  Zeitalter  der  griechischen  Kolonisation.
und  der  Handel  mit  Spanien  und  Südgallien  weiterbestand.  Nur
die  an  der  Südküste  Spaniens  gelegene  Kolonie  Mänaka  lourde
von  den  Karthagern  von  Grund  auf  zerstört.  Zwischen  Massalia
und  Karthago  scheint  dann  Frieden  geherrscht  zu  haben,  und  da
die  Etrusker  ihr  Augenmerk  Italien  zuwendeten,  standen  als  Hauptgegner ­
  den  Karthagern  nur  noch  die  sizilischen  und  süditalischen
Griechen  gegenüber.  Auf  Sizilien  handelte  es  sich  nicht  nur  um
den  Handel,  sondern  auch  um  Kolonialgebiete  sowie  um  wichtige
Schifsahrtsstationen.
Die  Karthager  suchten  wie  später  die  Römer,  die  dem  Handel
erschlossenen  Gebiete  auch  politisch  zu  unterwerfen,  um  sie  so  dem
Reiche  ein  für  allemal  zu  sichern  und  überdies  die  Truppenmacht
durch  die  Eingeborenen  zu  vergrößern,  eine  Politik,  die  erst  im
2.  Jahrhundert  zur  vollen  Anwendung  gelangte.  Wenn  auch  die
ersten  Zusammenstöße  auf  Sizilien  schon  in  das  6.  Jahrhundert
fallen,  so  werden  wir  sie  doch  besser  erst  bei  den  großen  Kämpfen
der  nächsten  Periode  besprechen  (S.  52).
Während  im  Westen  die  Karthager  mit  den  Griechen  zusammenstießen, ­
  kam  es  im  Osten  auf  dem  Boden  Kleinasiens  zu  Kämpfen,
die  für  die  Griechen  mit  einer  Niederlage  endeten.  Im  6.  Jahrhundert ­
  hatte  sich  das  lydische  Reich  immer  mehr  erweitert,  das
wie  jedes  geschlossene  Staatswesen  den  einzelnen  Griechenstädten
überlegen  war.  Eine  nach  der  andern  mußte  die  Oberhoheit  Lydiens
anerkennen,  nur  Milet  widerstand  trotz  mehrfacher  Niederlagen
und  trat  in  freundschaftliche  Beziehungen  zu  dem  früheren  Gegner.
Wirtschaftlich  bedeutete  diese  Abhängigkeit  für  die  Städte  eher  einen
Vorteil,  denn  wenn  auch  die  Lyderkönige  wohl  mancherlei  Abgaben
erhoben  und  besonders  die  Zölle  zu  ihrem  Vorteil  ausgenutzt  haben
dürften,  so  war  andererseits  der  Verkehr  mit  dem  Hinterlande  nun
ein  überaus  reger,  zumal  die  Lyder  den  Griechen  sehr  entgegenkamen
und  bald  ganz  hellenisiert  waren.  Der  König  Krösus  kam  nicht  dazu,
sein  Reich  auch  auf  die  griechische  Inselwelt  auszudehnen,  da  Cyrus,
der  König  der  Perser,  nachdem  er  Medien  erobert  hatte,  um  die  Mitte
des  6.  Jahrhunderts  Lydien  besetzte  und  die  Griechenstädte,  die  sich
nicht  freiwillig  unterwarfen,  unter  ihnen  Phokäa,  mit  Gewalt  eroberte ­
  (S.  37).  So  waren  die  Perser  bis  ans  Ägäische  Meer  gedrungen, ­
  und  es  konnte  nicht  lange  mehr  dauern,  und  sie  griffen
aufs  Festland"Europas  hinüber  (S.  52).
Die  koloniale  Expansion  der  Griechen  war  zum  Teil  Folge,  zum
Teil  Ursache  einer  gewaltigen  industriellen  und  kommerziellen  Ent-
            
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