meine Herren? Der Verkehrshorizont der Menschheit liegt auf der Erde,
und wenn ich in eine dritte Dimension hinausgehe, so habe ich auch die
Lasten dieser dritten Dimension zu tragen. Drei typische Verkehrsmittel-
sorten haben wir. Die schienengebundene, schnellfahrende Wagengruppe
der Eisenbahn und die nicht schienengebundenen Kraftwagen, die indi-
viduell charakterisiert sind, die überallhin fahren können, auf guten und
schlechten Wegen. Wenn wir dann übergehen zu den Flugzeugen, so
verlassen wir das Erdgebundene. Das Flugzeug hat keine andere Füh-
rung außer der Sicht, es wird nicht von Haus zu Haus fahren können; es
braucht die Vermittlung aller möglichen zentralen Stellen. Das indi-
viduelle Bewegungsmittel wird wahrscheinlich der Kraftwagen bleiben.
Und nun handelt es sich darum: was kann man dem Kraftwagen, dem
besten Verkehrsmittel der Welt bieten? Sie wollen ihm bieten, daß er
überall da, wo jetzt Straßen sind, auch wirklich gut fahren kann. Sehr
richtig! Ich möchte die Stelle wissen, an der seitens des von mir ver-
tretenen Vereins auch nur ein einziges Mal davon gesprochen worden
wäre, daß diese Aufgabe nicht an allererste Stelle zu stellen sei. Denn
ohne ein absolut tadellos durchgearbeitetes
Länderstraßennetz, das je nach dem örtlichen Ver-
kehr einzurichten ist, ist ja überhaupt eine soge-
nannte Autostraße undenkbar. Denn die die Autostraße be-
nutzenden Fahrzeuge müssen sie verlassen und beliebig vor jedes Haus
fahren können, das sie erreichen wollen. Die beiden Dinge stören sich
nicht. Die Autostraße will die finanziellen Kreise der Straßenunterhaltung
und des Straßenumbaues nicht stören. Sie will auch in keiner Weise in
ihre inneren finanziellen Betriebsfiragen eingreifen. Wenn wir uns, wie
Herr Dr. Rappaport sagt, davor fürchten sollten, für eine Benutzung
der Straße irgendwo eine Fahrkarte zu nehmen, so müssen wir uns doch
wirklich mal die Frage vorlegen: Warum fürchten wir uns nicht davor,
eine Eisenbahnfahrkarte zu nehmen? Warum kaufen wir uns eine Brief-
marke, wenn wir einen Brief schreiben wollen? Letzten Endes ge-
wöhnen wir uns doch daran, unsere Steuern zu zahlen. Ich fahre heute
mit dem Piferdewagen auf der Straße umsonst, aber ich bezahle trotz-
dem meinen Wegezoll im Rahmen meiner allgemeinen Steuern. Die
Sorge, daß dieses Übergangsstadium irgendeiner Wegezollerhebung einen
Rückfall in die alten traurigen, zerrissenen politischen Verhältnisse ein-
leiten könnte, scheint mir schon deswegen verkehrt, weil gerade das Auto-
straßennetzsystem meiner Ansicht nach die beste Grundlage für die Ver-
einheitlichung des Straßenbauwesens in Deutsch-
land überhaupt sein könnte. Denn wir dürfen nicht vergessen, daß
wir eine solche Einheitlichkeit nicht haben, sondern nur auf Wegen, wie
as heute hier versucht wird, zu schaffen suchen.
Deshalb, meine Herren, weil wir an diese Zukunftsgedanken glauben,
halten wir es für unsere Pilicht und haben es für unsere Pflicht ee-