Full text : Russlands Bankerott

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Empfehlung
russischer  Anleihen. ­


Zukunft  Rußlands  und  Japans"  ohne  jedes  Vorwissen  seiner  vorgesetzten ­
  Behörde  und  der  Regierung  geschrieben  hat.  Zu  dieser  Richtigstellung ­
  war  der  Kanzler  des  Reiches  nicht  nur  berechtigt,  sondern  sogar
verpflichtet,  da  sehr  wohl  die  Annahme  auftauchen  konnte,  daß  direkt
oder  indirekt  die  Vertreter  der  verbündeten  Regierungen  das  Unternehmen ­
  unterstützt  hätten.  Diese  Erklärung  wäre  sogar  die  politische
Pflicht  des  Reichskanzlers  gewesen,  selbst  wenn  man  in  Anbetracht  der
kommenden  neuen  Anleihen  eine  Warnung  des  Publikums  sehr  ungern
gesehen  hätte.  Aber  leider  hat  der  Reichskanzler  ein  Uebriges  getan.
Der  Schlußsatz  der,  wenn  auch  von  ihm  nicht  verfaßten,  jedoch  sicher
von  ihm  gebilligten  Erklärung  der  Norddeutschen  Allgemeinen  Zeitung
lautet  nämlich:  „es  ist  selbstverständlich,  daß  die  Regierung  dem  Buche,
das  auf  Grund  haltloser  Voraussetzungen  zu  abenteuerlichen  Prophezeiungen ­
  über  das  Schicksal  Rußlands  in  den  nächsten  Jahrzehnten
kommt,  gänzlich  fernsteht."  Der  Reichskanzler  hat  damit  einen  Schritt
weiter  aus  dem  Wege  getan,  den  er  vorher  bereits  beschritten  hatte.
Obwohl  er  jüngst  im  Deutschen  Reichstag  ausdrücklich  die  Erklärung  abgegeben ­
  hat,  daß  die  Emission  russischer  Anleihen  Privatsache  der  beteiligten ­
  Banken  sei,  konnte  er  sich  doch  nicht  enthalten,  in  derselben
Rede  —  freilich  in  bedingter  Form  —  auf  die  ungeschwächte  finanzielle
Kraft  Rußlands  hinzuweisen.  Was  er  aber  damals  bedingt  tat,  tut  er
jetzt  unbedingt,  indem  er  die  Voraussetzungen  des  Martinschen  Buches
für  haltlos  erklärt.  Wenn  man  den  Satz  ganz  genau  seziert,  so  kann
man  allerdings  herauslesen,  daß  diejenigen  Voraussetzungen  Martins  für
haltlos  erklärt  werden  sollten,  auf  Grund  deren  er  zu  seinen  politischen
Schlußfolgerungen  kommt,  daß  hingegen  die  Voraussetzungen  seiner  wirtschaftlichen ­
  Kritik  nicht  beurteilt  werden.  Das  große  Publikum  aber
liest  Erklärungen  nicht  mit  der  Lupe  in  der  Hand.  Für  sie  bedeutet
die  Abschüttelung  des  Herrn  Regierungsrates  gleichzeitig  eine  Empfehlung
der  russischen  Finanzen  durch  den  Reichskanzler.  Und  damit  hat  der
Reichskanzler,  der  doch  im  Namen  der  verbündeten  Regierungen  zu
handeln  pflegt,  eine  Verantwortung  übernommen,  vor  deren  Wesenhaftigkeit ­
  er  erschaudern  müßte.  Diese  Verantwortung  wäre  selbst  dann
eine  sehr  große,  wenn  die  Aera  des  Friedens  für  Rußland  nach  den
augenblicklich  wißbaren  Umständen  eine  Aera  der  wirtschaftlichen  Reorganisation ­
  sein  könnte.  Ernsthafte  Kenner  des  Landes  bestreiten  das.
Aber  ist  der  deutsche  Reichskanzler  wirklich  in  der  Lage,  heute  voraussagen ­
  zu  können,  was  Pest  und  Revolution  im  russischen  Reiche  anzurichten ­
  vermögen?  Will  er  ernsthaft  auch  nur  für  die  nächsten  zehn
Jahre  die  Zahlungsfähigkeit  Rußlands  verbürgen?  Es  scheint  so.  Durch
die  Erklärung  in  der  Norddeutschen  Allgemeinen  Zeitung  ist  erwiesen,
was  man  allerdings  schon  lange  nicht  mehr  bezweifelt  hat,  daß  die
Reichsregierung  zwar  die  Voraussetzungen  Martins  für  verfehlt  hält  und
ihnen  fernsteht,  daß  sie  aber  anscheinend  diejenigen  Ausführungen  billigt,
die  vor  kurzer  Zeit  in  seichtester  und  oberflächlichster  Weise  der  Legationsrat ­
  Herr  Professor  Helsferich  gemacht  hat.  Der  Vertreter  der  deutschen
Reichsregierung  rät  den  Besitzern  russischer  Werte,  sich  nicht  aus  ihrer
Ruhe  aufschrecken  zu  lassen.  Will  der  Herr  Reichskanzler  sich  die  Regreß-
            
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