Full text : Russlands Bankerott

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Die  Achillesferse ­
  des  russischen ­
  Riesen

Wittes
Finanzpolitik

einandersetzung  gegeben  und  lediglich  noch  eine
Frage  der  Zeit.  Denn  zwei  Staaten  hatten
hier  Lebensinteressen  zu  vertreten.
Aber,  so  fragt  man,  kann  es  denn  zweifelhaft ­
  sein,  daß  der  russische  Riese  den  Zwerg
Japan  zu  Boden  wirft?  Man  hat  die  Frage
in  den  letzten  Tagen  so  oft  gehört,  daß  man
annehmen  muß,  es  sei  die  landesübliche
Meinung,  politische  Erfolge  lassen  sich  mit  dem
Zollstock  vorher  abmessen.  Aus  der  preußischen
Geschichte  sollte  man  doch  wahrhaftig  gelernt
haben,  daß  der  Flächeninhalt,  den  die  Landesgrenzen ­
  umspannen,  nicht  ins  Gewicht  fällt.
Und  doch  erscheint  Japans  Beginnen  tollkühn:
Das  kleine  Volk  steht  auf  gegen  das  große,  in
demselben  Moment,  wo  die  Nachbarn'  von  Ost
und  von  West  ein  förmliches  Wettkriechen  vor
dessen  Macht  veranstalten.
Die  russische  Macht  ist  in  der  Tat  zur  allgemein ­
  geglaubten  Legende  geworden.  Und
doch  hat  auch  der  russische  Riese  seine  Achillesferse. ­
  Für  den  Eingeweihten  sichtbar,  steht  hinter
ihm  das  Testament  Peters  des  Großen.
Europäer  sein  ist  ein  teures  Vergnügen.
Wyschnegradski  merkte  es,  der  berufen  wurde,
die  russischen  Finanzen  in  Ordnung  zu  bringen.
Er  benahm  sich  wie  ein  sorgsamer  Hausvater,
sammelte  einen  großen  Staatsschatz  an  und  vermehrte ­
  ihn  in  glücklichen  Spekulationen  bei  seinen
Bankiers  im  Auslande.  Er  erfand  mit  genialem
Blick  neue  Steuern,  und  was  aus  dem  Volk
herausgepreßt  wurde,  diente  dazu,  den  Schmuck
des  Goldvorrates  immer  glänzender  zu  gestalten.
Mit  einem  Schlage  war  Rußland  europäisch:
Es  bekam  Geld  zu  billigen  Zinsen  geliehen,
baute  Bahnen  und  benahm  sich  auch  sonst  so
wie  eine  europäische  Großmacht.
Aber  auf  den  Gipfelpunkt  des  Europäertums
  führte  das  Reich  doch  Sergej  Juljewitsch
Witte.  Er  regulierte  die  Währung  und  beglückte ­
  Rußland  mit  dem  größten  Goldvorrat,
den  es  jemals  gehabt  hat.  Der  war  nötig.  Denn,
wie  wollte  man  sonst  die  Goldwährung  in  einem
            
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