Full text : Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

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Die  Trinkerleistung  in  den  Bierpalästen  ist  ja  eine  recht
achtenswerte.  Und  doch  hält  das  keinen  Vergleich  aus  mit
dem  großen  Verbrauch  der  nach  vielen  Millionen  zählenden
weniger  Bemittelten.  Nicht  die  Einzelleistung  macht  es  da,
hier  entscheidet  die  Masse.  In  den  Luxuskneipen  spielt  das
Geld  keine  Rolle,  in  den  Kneipen  der  kleinen  Leute  entscheiden
die  Pfennige.  Norddeutschland  stellt  ungefähr  44  Millionen
Hektoliter  Bier  her,  Bayern  führt  ungefähr  2 l / 8  Millionen
Hektoliter  Bier  ein.  In  diesem  Verhältnis  ungefähr  mag  der
Verbrauch  der  Bemittelten  zu  dem  der  weniger  Bemittelten
stehen.  In  den  Luxuskneipen,  deren  Zahl  nur  sehr  gering
ist  im  Vergleich  zu  den  anderen,  gibt  man,  wie  gesagt,  auch
noch  Trinkgelder.  Wie  steht  dies  aus  bei  den  vielen  Tausenden
von  Gastwirten,  die  das  andere  Publikum  zu  bedienen
haben?  Fragt  mau  diese  Wirte,  wie  es  gehe,  erhält  man  in
unglaublich  vielen  Fällen  die  Antwort:  „Nun,  man  könnte
sich  wohl  durchschlagen,  wäre  nur  nicht  die  viele  Pumperei
mit  ihren  großen  Verlusten.  Schon  im  Wirtschaftsbetrieb
selbst  hat  man  Schaden  genug,  immer  wieder  gehen  „sie"  mit
ein  paar  Glas  Bier  durch."  So  sicht  es  aus  in  der  weitaus
größten  Anzahl  von  Kneipen.  Will  man  hier  richtig  urteilen,
muß  man  auf  die  Verhältnisse  des  kleinen  Mannes  bezug
nehmen,  der  mit  Pfennigen  rechnet.
Fassen  wir  früher  Gesagtes  in  einige  Sätze  zusammen:
Es  unterliegt  gar  keinem  Zweifel,  daß  leichtes,  gesundes ­
  Bier  die  Schnapspest  am  wirksamsten  bekämpft.
Es  ist  unrichtig,  zu  behaupten,  daß  man  damit  nur  den  Teufel
austreibe  durch  den  Beelzebub.  Werden  Getränke  mit  einem
Alkoholgehalt  bis  zu  50  pCt.  und  mehr  verdrängt  —  da,  wo
sie  verdrängt  werden  dürfen  —  durch  Getränke  mit  einem
Alkoholgehalt  von  3—4  pCt.,  auch  wohl  5  pCt.,  so  bringt
dies  unzweifelhaft  einen  Fortschritt.  Wird  die  Wirkung  des
Surrogatverbots  in  dieser  Richtung  ja  auch  weit  überschätzt,
so  wird  dieses  vielleicht  doch  auch  hierbei  etwas  mithelfen.
Könnte  man  Getränke  geben  —  und  die  Bierbrauerei  sucht
danach  —  welche  noch  geringeren  Alkoholgehalt  zeigen,  so  würde
dies  ein  weiterer  Fortschritt  sein.  Nur  dürften  es  nicht  aus
Eis  gekühlte  und  bis  zu  2  pCt.  Alkohol  enthaltende  Brausen
sein.  Wie  die  Wiederverkäufer  wissen,  verderben  derartige
Getränke  im  Handumdrehen.  Mit  diesen  Getränken  könnte
nur  noch  mehr  Unheil  angerichtet  werden.
Die  Mittelstandspolitik  kann  durch  hohe  Staffelung ­
  nicht  gefördert  werden.  In  den  vorausgegangenen
Ausführungen  hierüber  gaben  wir  nur  die  Erklärung  zu  den
da  vorliegenden  Zahlen.  Diese  Zahlen  selbst  reden  eine  genügend
beweiskräftige  Sprache.  Zn  hohe  Spannung  bringt  nur
Nachteil  für  Groß  und  Klein,  sie  führt  den  kleinen  und  mittleren
            
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