Full text : Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

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Hinblick  auf  die  zahlreichen  Existenzen,  die  mit  dem  Braugewerbe ­
  zusammenhängen:  Gastwirte,  Angehörige  der  Hilfsindustrien
  und  zahllose  Arbeiter.
Nach  dem  Gesagten,  insbesondere  aus  der  Dividendenstatistik, ­
  ist  ersichtlich,  daß  auch  die  Großbrauereien  die  Erhöhung ­
  der  Brausteuer  nicht  tragen  können  und  nicht  tragen
werden.  Was  wird  aber  dann  die  unabwendbare  Folge  sein?
Die  Großbrauereien  werden  sich  noch  mehr  bemühen,  die
Kleinbetriebe  aufzusaugen,  noch  inehr  „Fusionen"  werden  stattfinden, ­
  die  Wirte  werden  höhere  Bierpreise  zahlen  müssen,,
und  da  auch  die  Wirte  zumeist  nicht  auf  Rosen  gebettet  sind,
werden  sie  eben  ihrerseits  die  Preise  für  Bier  —  wahrscheinlich ­
  durch  Verabreichung  kleinerer  Gläser  —  erhöhen.  Wer
zahlt  also  die  geplante  Brausteuer  zuletzt?  Der  Konsument.
Und  wer  ist  der  größte  Konsument?  Das  werktätige  Volk,
der  kleine  Landwirt,  der  Arbeiter,  der  Handwerker,  der  kleine
Beamte,  kurz:  der  Mittelstand.  Im  Hinblick  auf  die  nachgewiesene ­
  höhere  Belastung  der  Kleinbrauer  und  die  zu  erwartende ­
  Abwälzung  auf  den  Konsumenten  sind  daher  die
am  3.  Dezember  1904  gemachten  Äußerungen  des  Reichsschatzsekretärs: ­
  „schonende  Rücksichtnahme  auf  die  wirtschaftlich
Schwachen  sollte  seine  Richtschnur  sein,  daran  wolle  er  unentwegt ­
  festhalten",  ganz  unverständlich.
Es  kann  nicht  bezweifelt  werden,  daß  infolge  der  erhöhten
Bierpreise  ein  Niedergang  des  Braugewerbes,  des  Gastwirtstandes
  und  aller  Hilfsindustrien  stattfinden  wird.  Auch  der
Bierkonsum  wird  sehr  beträchtlich  zurückgehen,  so  daß  das
Ideal  der  Steuervorlage,  94  Millionen  aus  der  Brauerei
herauszuholen,  gar  nicht  erreicht  wird.
Ich  fühle  mich  als  simpler  Kleinbrauer  natürlich  am
wenigsten  berufen,  Vorschläge  zu  machen,  wo  das  Reich  die
anerkannt  nötigen  Mittel  zur  Sanierung  seiner  Finanzen  herholen ­
  soll,  aber  ich  bin  der  Überzeugung:  In  unserem  großen
reichen  Vaterlande  lassen  sich  diese  Mittel  von  wirklich  starken
Schulter  auch  aufbringen!  Möchten  die  Brauereien  des  Norddeutschen ­
  Brausteuergebietes  und  der  Konsument  vor  dieser
„Stasfel"-Steuer  und  vor  jeder  Brausteuererhöhung  bewahrt
bleiben!  Otto  Sonntag,  Braumeister.
            
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