Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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mittel  mit,  dass  ihnen  diese  Nahrung  nicht  nur  für  den  ganzen  Weg
bis  zu  den  Arbeitsorten,  sondern  im  Notfälle  auch  für  die  Heimreise
ausreicht.
Die  Nahrung  besteht  also  aus  Zwieback,  aus  Mehl  für  Mehlklösschen,
  aus  Grütze  und  Fett.  Dies  ist  die  Nahrung,  mit  der  sich  die
Bauern  aus  den  nächsten  kleinrussischen  Gouvernements  (Ukraiaa)
versehen.
Noch  dürftiger  ist  die  Nahrung  der  aus  Zentralrussland  kommenden
Arbeiter,  die  nur  Weizengrütze,  Brot  oder  Zwieback  mitführen.
Auf  der  Wanderschaft  essen  die  Wanderarbeiter  dreimal:  in  der
Frühe,  bevor  sie  sich  auf  den  Weg  machen,  dann  um  die  Mittagszeit
—  12  Uhr  —  und  das  letztemal  abends.  Jedesmal  werden  zur  Abwechslung ­
  entweder  Brei  oder  Mehlklösschen  gemacht.
Zu  jeder  Mahlzeit  gibt  jeder  den  gleichen  Anteil  her.  Mit  Mehl,
Fett  und  Grütze  wird  sehr  ökonomisch  verfahren,  da  sie  als  teure  Produkte ­
  gelten.  Am  meisten  werden  Zwiebacke  konsumiert.  Sie  bilden
das  Hauptnahrungsmittel  der  Wanderarbeiter.  Man  füllt  die  Säcke  voll
Zwieback,  sodass  oft  die  Hälfte  des  Sackes  nicht  aufgegessen  wird;  auch
Tee  wird  getrunken.  Die  Arbeiter  tragen  in  ihren  Rucksäcken  Blechteekannen, ­
  die  sie  auf  den  Eisenbahnstationen  mit  heissem  Wasser  füllen,
um  sich  Tee  zu  bereiten.  Das  kommt  aber  nicht  sehr  oft  vor,  da  viele
Arbeiter  entfernt  von  der  Eisenbahnlinie  wandern  oder  auf  eine  Eisenbahnstation ­
  kommen,  wo  kein  Buffet  vorhanden  ist.  Dann  müssen  sie
sich  mit  Zwieback  und  Brei  begnügen.  Das  Wasser  finden  sie  in  den
Dörfern,  wo  aber  die  Dörfer  ziemlich  weit  von  einander  entfernt  liegen,
trinken  die  Wanderarbeiter  das  Wasser  aus  den  Flüssen,  oft  auch  aus
sehr  unreinen  Wasserbrunnen.
So  ernähren  sich  die  Wanderarbeiter  während  ihres  Wanderns.  Aber
auch  nicht  alle.  Manche  müssen  als  Bettler  wandern.  —-  So  hatten  von
den  8516  auf  einer  Naturalverpflegungsstation  im  Jahre  1905  eingetragenen
Arbeitern  als  Nahrungsmittel  bei  sich:  Brot  7,41  %,  Brot  und  Fett  8,29  °/o,
Brot  und  Zuspeise  5,32  °/o.  «Im  Namen  Jesu  Christi»,  d.  h.  als  Bettler,
ernährten  sich  2,36%,  keine  Nahrungsmittel  hatten  19,34%  (von  59,75  %
fehlen  die  Angaben).  Bei  den  Wanderarbeitern  aus  einzelnen  Gouvernements ­
  werden  diese  Zahlen  noch  grösser.  So  z.  B.  hatten  keine  Nahrungsmittel ­
  von  den  Arbeitern  aus  dem  Gouv.  Orel  42,94  %,  von  denen  aus
dem  Gouv.  Kursk  51,35  °/o,  aus  Tschernigow  50,56%.  Als  Bettler  wanderten
  von  den  Arbeitern  aus  dem  Gouv.  Orel  14,79  °/o,  aus  Tschernigow
14,59%.
            
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