Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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besserung  ihrer  Lage  betrachtet,  da  Wohnung  und  Nahrung,  auch  die
Behandlung  besser  als  bei  den  Gutsbesitzern  sind.
Der  Arbeiter,  der  seinen  Arbeitgeber  vor  Ablaut  der  bestimmten
Frist  willkürlich  verlassen  will,  macht  sich  ganz  unerträglich.  Er  arbeitet
so  schlecht  und  nachlässig,  dass  jeder  Tag  dem  Arbeitgeber  grossen
Verlust  bringt,  bis  dieser  vorzieht,  den  Arbeiter  zu  entlassen  und  einen
neuen  zu  dingen.  Dieses  Verlassen  der  Arbeitgeber  seitens  der  Arbeiter
wäre  aber  leicht  zu  vermeiden,  wenn  die  Gutsherren  den  Arbeitern,  die
von  ihnen,  bevor  die  Aussichten  auf  eine  gute  Ernte  feststanden,  gedungen ­
  wurden,  die  Löhne  bis  zur  üblichen  Höhe  erhöhen  würden.
Diese  freiwillige,  angemessene  Erhöhung  der  Löhne  wird  in  letzter  Zeit
in  einigen  grösseren  Gutswirtschaften  eingeführt,  und  es  wird  von  den
Gutsherren  selbst  zugegeben,  dass  man  damit  sehr  vieles  erzielen  kann.
«Die  Massnahmen,  die  Arbeiter  dadurch  zu  halten,  dass  man  ihnen  im
Falle  einer  guten  Ernte  die  Löhne  erhöht,  hat  zu  ganz  schönen  Resultaten ­
  geführt.  Die  Arbeiter  sind  daran  schon  so  gewöhnt,  dass  bei  uns
alles  ruhig  ist,  während  auf  den  Nachbargütern  die  Arbeiter  fortwährend
ab-  und  zuwandern.  Durch  diese  Massnahme  haben  wir  auch  das  erzielt, ­
  dass  jedes  Jahr  zu  uns  dieselben  Arbeiter  wieder  kommen.  Die  freiwilligen ­
  Lohnerhöhungen  schwanken  zwischen  3  und  10  Rubeln,  je  nach
Ausfall  der  Ernte  und  den  individuellen  Eigenschaften  der  Arbeiter  .  .  .
Vom  Standpunkte  der  Wirtschaftlichkeit  aus  sind  diese  Zuschüsse  für
das  Budget  gar  nicht  so  schwerwiegend,  da  sie  im  Durchschnitt  10  °/o
der  bezahlten  Löhne  nicht  überschreiten.  Und  für  diese  10  °/o  werden
wir  erstens  durch  ein  intensiveres  Arbeiten,  zweitens  —  was  vielleicht
noch  wichtiger  ist  -—  durch  verhältnismässig  gute  Beziehungen  zu  den
Arbeitern  entschädigt.» 1 )
Dasselbe  wird  auch  von  einer  der  grössten  Gutswirtschaften,  von
der  von  Faltz-Fein,  berichtet.
Viel  öfter  als  der  niedrigen  Löhne  wegen  verlassen  die  Arbeiter
den  Arbeitgeber  der  unerträglichen  Nahrung  und  Wohnung  halber.  Von
den  bei  den  Landhauptmännern  im  Gouv.  Cherson  in  den  Jahren  1894—96
stattgefundenen  1695  Prozessen  zwischen  Arbeitern  und  Arbeitgebern
werden  als  Ursachen  bezeichnet:  zu  niedrige  Löhne  in  286  Fällen,  in
248  übermässige  Arbeit,  in  174  zu  schlechte  Nahrung,  in  52  Nichthalten
des  Vertrages  seitens  der  Arbeitgeber;  hauptsächlich  Nichtbezahlung  des
Lohnes.  (Für  25  Fälle  sind  keine  Ursachen  angegeben.)  «Zur  Schande

')  Ein  Vortrag  von  A.  A.  Jaroschko  (ein  Grossgrundbesilzer  in  Taurien)  in  der
landwirtschaftlichen  Gesellschaft  in  Moskau.
            
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