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II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik.
planen und Bauordnungen ein zu großer Nachdruck auf Schaffung breiter
Verkehrsstraßen anstatt auf vernünftige Beschränkung der Anhäufung
von Wohngelegenheiten auf den einzelnen Grundstücken gelegt wurde. Dazu
kam, daß der Boden, der in der Nähe des alten Umfanges der Städte
Wohnzwecken zugeführt werden konnte, vielfach in die Hände der gewerblichen
Spekulation kam; sie suchte seinen Wert durch kluge Zurückhaltung
im Bebauen zu steigern oder aber eine günstige Gelegenheit zur Verwertung
durch rasche Aufführung von Massenwohnhäusern auszunutzen. Dabei
fehlte es oft an den nötigen eigenen Mitteln, sodaß mit übergroßer
Inanspruchnahme des Kredits gebaut werden mußte. Soweit die private
Bautätigkeit sich von solchen Ausschreitungen fernhielt, fehlte ihr
vielfach das Interesse an der Schaffung kleiner und kleinster Wohnungen.
Denn die Verwaltungsarbeit und das Risiko ist dabei für den
Vermieter größer und die Möglichkeit eines vorteilhaften Weiterverkaufs
wird häufig dadurch verringert. Die Folge war, daß gerade die
neuen Baugelände besserer Lage dem Wohnbedürfnis der arbeitenden
Bevölkerung nicht zugängig wurden. In nicht wenigen Orten sind es
die weniger günstig gelegenen Massenmiethäuser, in denen die Arbeiter
ihr Wohnungsbedürfnis befriedigen müssen. Es ist aber nicht
zu übersehen, daß das Massenmiethaus zwar das Zusammenhäufen
von Menschen auf einem Grundstück sehr befördert und dadurch
manche Nachteile hervorruft, daß es aber nicht unter allen Umständen
ungesunde, überfüllte und zu teure Wohnungen bedingt. Die Kellerwohnungen
sind freilich in der Regel schon aus gesundheitlichen Gründen
unerwünscht, und ohne Frage ist es sehr beklagenswert, daß nach
dem Statistischen Jahrbuch deutscher Städte (1903) z. B. am 1. Dezember
1900 von 1000 Bewohnern in Altona 76,2, in Posen 70,3, in Hamburg
63,9, in Berlin 50, in Kiel 48, in Breslau 36,2 in Kellerwohnungen
untergebracht waren. Dieser Bruchteil machte in Berlin
91 426 Personen, in Hamburg 43259, in Breslau 14 638, in Altona
11964 Personen aus. In vielen Städten ist übrigens der Bruchteil der
in Kellerwohnungen lebenden Bevölkerung in den letzten Jahren geringer
geworden. In anderen Gebieten, wie im Rheinland, in Sachsen,
Württemberg, Elsaß-Lothringen usw., sind die Kellerwohnungen viel
weniger vertreten. Die Dachwohnungen werden ebenfalls oft als gesundheitsnachteilig
angesehen, sind es aber nur unter bestimmten
Voraussetzungen, die sich in den statistischen Angaben nicht näher
verfolgen lassen. Die Hinterhauswohnungen sind in manchen Orten
sehr verbreitet, besonders z. B. in Berlin, Charlottenburg, Magdeburg
und Posen. Am 1. Dezember 1900 lagen nach derselben Quelle in
Berlin 47,7 o/ 0 der benutzten Wohnungen im Hinterhaus, in Cliarlottenburg
42,04 o/o, in Magdeburg 35,64 o/ 0 , in Posen 31,60 o/o, dagegen in
Görlitz nur 7,66 o/ 0 , in Stuttgart 7,04 o/ U) in Chemnitz 6,47 %, in Essen