Object: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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seiner ökonomischen Arbeiten Geschmack fanden, folgten des 
wegen auch ernstlich seinem Gedankengang oder eigneten sich 
die tieferen Gesichtspunkte seiner Essays an. Dagegen war 
sein im Punkte des allgemeinen Denkerthums nur wenig in 
Frage kommender Freund weit besser darauf eingerichtet, filr 
langsam denkende Köpfe und überdies auch für diejenigen zu 
schreiben, denen die einfachsten Begriffe vom Yerkehrslcbon 
mangelten, und bei denen daher eine schulartig belehrende Aus 
einandersetzung weit mehr fruchten konnte. Der mittlere 
Mensch (homme moyen) im Denken und Wissen, ja selbst der 
harte Kopf, wie er sich ja auch unter den Staatsmännern, z. B. 
in der Person eines Stein, gelegentlich vorgefunden hat, musste 
bei den äusserlichen Eigenschaften des Smithschcn Werks seine 
Rechnung finden und mochte nebenbei auch etwas von dem 
bessern principiellen Inhalt in sich aufnehmen. Was aber 
den innern Zusammenhang anbetraf, so haben die ürthoile 
renommirter Namen im nächsten, ja noch in dem dann folgen 
den Menschenaltor bewiesen, dass die Fähigkeit, in das Ganze 
eines Werks einzudringen und den Leitfaden aufzufinden, an 
dem sich der Autor bewegt hat, zu den allerseltensten Erschei 
nungen gehört. Dies beweist sogar noch heute die, gelegent 
liche Fortpflanzung der Ansicht, dass die Smithsche Schrift 
kein eigentliches System repräsentire, sondern dass erst ein 
J. B. Say habe kommen müssen, um so etwas daraus zu machen. 
Diese letztere Meinung, die den Franzosen in einer ganz 
falschen Richtung schmeichelt, ist die oberflächlichste von 
allen; denn sie verwechselt das ursprüngliche Licht mit seinem 
matten Widerschein und stellt eine gewisse schreib- und lehr 
fertige Gewandtheit über das Gediegene einer selbständigen, 
an den Gedanken und Thatsachen geübten Untersuchung. Das 
An regen zum Mitdenken, welches selbst noch ein gewisses 
Maass von Trägheit in einige Bewegung zu setzen vermag, 
ist eine so auszeiclmondo Eigenschaft, dass man den Urhebern 
solcher Arbeiten, selbst wenn die Gattung ihrer Geisteshaltung 
nicht die höchsten Stufen repräsentirt, dennoch niemals die 
Unehre anthun sollte, sie mit Naturen auf eine Linie zu 
stellen, deren Virtuosität nur im Zu rieh ten fertiger 1; ei stun gen 
bestanden hat. Das Zurichten meine ich hier in der doppelten 
Bedeutung des Worts; denn cs kommt fast niemals vor, dass 
diejenigen, welche diese Arbeit übernehmen, ihre Quellen
	        
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