Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

296  Zweiter  Teil.  Kandel.  XIV.  Kaufmännisches  Anterrichtswesen.

Lebens  genauer  umzusehen,  so  benutzen  Sie  die  Ferien  in  erster  Linie  dazu.  Aber
nicht,  indem  Sie  sich  auf  den  Kontorbock  in  einem  Geschäfte  sehen  und  da  stets  die
gleiche  untergeordnete  Tätigkeit  ausüben.  Nein,  lassen  Sie  sich  an  allen  Stellen  des
Betriebes  umherführen  und  sehen  Sie  sich  alle  Zweige  des  Geschäfts  gründlich  an.
Oder  wenn  Sie  die  Möglichkeit  haben,  einen  landwirtschaftlichen  Großbetrieb  anzusehen,
gehen  Sie  auf  das  Land.  Denn  die  großen  Zweige  des  nationalen  Erwerbslebens
können  gegenseitig  nur  Vorteil  davon  haben,  wenn  ihre  Vertreter  auch  über  die  Lage
der  anderen  Zweige  gründlich  aus  eigener  Anschauung  orientiert  sind.  Aber  fassen
Sie  das  nicht  nur  als  Erholung,  sondern  als  Arbeit  auf,  geben  Sic  sich  Rechenschaft
vom  Gesehenen  und  Gehörten,  und  berichtigen  Sie  danach  Ihre  bisherigen  Anschauungen ­
  und  —-  Vorurteile.
Eine  andere  nützliche  Verwendung  der  Ferien  wäre  auch  eine  Reise  ins  Ausland,
falls  Sie  nicht  Absicht  und  Gelegenheit  haben,  später  noch  auf  längere  Zeit  sich  in
den  Verhältnissen  anderer  Länder  umzusehen.  Freilich  handelt  es  sich  dann  nicht  um
eine  Vergnügungsreise,  sondern  um  eine  gründlich  vorbereitete  Studienreise,  um  die
wirtschaftlichen  Verhältnisse  des  Auslandes  kennen  zu  lernen.
Aber  schließlich  würde  natürlich  auch  ein  stiller  Studienaufenthalt  zu  Laus  seine
guten  Früchte  tragen.  Gründliche  Repetitionen  und  selbständiges  Durcharbeiten  einer
Spezialfrage,  eines  Spezialgebiets,  würden  sich  dem  allgemeinen  Studienplan  sehr
zweckmäßig  eingliedern.  Nur  muß  ich  dabei  wieder  darauf  Hinweisen,  daß  auch  in
diesem  Fall  genaue  Zeiteinteilung  von  vornherein  sehr  nützlich  sein  würde.  Jedenfalls
aber  muß  in  den  Ferien  irgend  ein  die  Semesterarbeit  ergänzender  Studienbetrieb
stattfinden,  soll  die  Zeit  nicht  zwecklos  vergeudet  werden.

4.  Warum  sollen  wir  obligatorische  kaufmännische
Fortbildungsschulen  errichten?
Von  Karl  Dunker.
Dunker,  Die  Notwendigkeit  gesetzlicher  Verpflichtung  zum  Besuche  der  kaufmännischen
Fortbildungsschulen.  In:  Deutscher  Verband  Kaufmännischer  Vereine.  Referate  zur  XI.  ksaupt»
versammluug  in  Koburg  am  zo.  und  U-  Juni  IM  nebst  den  betreffenden  Beschlüssen.  Frankfurt  a.  KT.,
Druck  von  Reinhold  Mahlau,  Fa.  Kkahlau  &  Ivaldschmidt,  (901.  5.  S.  55  und  5.  58—62.
Die  kaufmännische  Fortbildungsschule  soll  allgemein  und  wirksam  die  praktische
Lehre  unterstützen;  der  Unterricht  muß  daher
1.  alle  fassen,  die  ihn  nöttg  haben,  —  ein  allgemeiner  Unterricht  sein,
2.  regelmäßig  und  pünktlich  besucht  iverden,
3.  ein  systematisch  aufgebauter,  streng  fachlicher  Unterricht  sein,
4.  am  Tage  stattfinden.
Wer  diesen  Gedankengang  zugibt,  muß  zur  Forderung  der  obligatorischen  kaufmännischen ­
  Fortbildungsschule,  der  Einführung  der  Fortbildungsschulpflicht  kommen.
Von  den  Gründen,  die  gegen  die  Fortbildungsschulpflicht  angeführt  werden,  will
ich  hier  nur  die  zwei  wichtigsten  kurz  erörtern.
Da  ist  zuerst  das  Prinzip  der  Freiheit,  die  alte  wohlbekannte  Parole  aus
Manchester:  „Man  darf  die  im  Alter  der  selbständigen  Entwickelung  stehenden  jungen
Leute  über  14  Jahren  nicht  noch  zwingen."  Demgegenüber  ist  mein  Standpunkt:
Jungen  unter  17  Jahren  bedürfen  der  Leitung,  eventuell  des  Zwanges;  die  Freiheit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.