Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

8.  Die  Rübenzuckerindnstrie.

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minderwertige  Rüben  in  unvollkommener  Weise  verarbeiteten,  sind  heute  großartige
Fabrikanlagen  geworden,  die  bestes  Rohmaterial  in  immer  besserer  Weise  verarbeiten
und  Quantitäten  von  billigem  Zucker  auf  den  Markt  bringen,  die  es  ermöglichen,  daß
dieses  Genußinittel  in  immer  wachsendem  LImfange  auch  von  den  ärmeren  Elementen
der  Bevölkerung  verbraucht  werden  kann.
Der  Rübenbau  ist  für  weite  Teile  Deutschlands  wie  des  Auslandes  eine  Quelle
-es  Wohlstandes  geworden.  Die  sorgsame  Pflege,  welche  die  Rübe  erforderte,  zwang
zu  immer  intensiverer  Kultur,  und  die  Erträge  der  Fabriken  boten  dem  Landwirt  die
Mittel  dazu,  tiefer  zu  pflügen  und  in  künstlichen  Düngemitteln  vollen  Ersah  der  entnommenen ­
  Pflanzennährstoffe  dem  Boden  zuzuführen.  Die  Massen  von  Fabrikationsrückständen ­
  lieferten  reichhaltiges  Viehfutter  und  zwangen  zur  Stallfütterung.  Beseitigung ­
  der  Brache  und  Weide,  rationelle  Viehhaltung  und  Ackerkultur  sind  die
notwendigen  Begleiter  des  einziehenden  Rübenbaues,  und  höhere  Roherttäge  an
Körnern  und  tierischen  Erzeugnissen  sind  neben  den  für  den  einzelnen  wichtigen  wachsenden
Reinerträgen  die  volkswirtschaftlichen  Segnungen  der  neuen  Kultur.
Darum  haben  die  Regierungen  allenthalben  ihre  schützende  Land  über  diese  neu
aufkeimende  Industrie  gehalten,  und  wo  irgend  Boden  und  Klima  geeignet  sind,  hat
man  sie  durch  Schutzzölle  und  Prämien  großzuziehen  versucht.  Je  mehr  sich  die
Erkenntnis  Bahn  bricht,  daß  die  Zuckerrübe  kein  Monopol  eng  begrenzter  Landstriche
ist,  sondern  daß  sie  weit  nach  Norden  hinauf  und  nach  Süden  hinunter  gleichfalls  mit
Vorteil  angebaut  werden  kann,  umsomehr  bemühen  sich  gegenwärtig  die  Regierungen
der  verschiedensten  Länder,  dieses  nutzbringende  landwirtschaftliche  Nebengewerbe  großzuziehen. ­

Während  man  noch  vor  20  Jahren  seitens  der  Agrikulturchcmie  den  Rübenbau
in  Nord-  und  Ostdeutschland  für  unmöglich  hielt  und  an  ein  weiteres  Vordringen  nach
Norden  ebensowenig  wie  daran  dachte,  daß  selbst  unter  subtropischer  Sonne  neben
dem  Zuckerrohr  die  Rübe  ihren  Platz  finden  könne,  hat  die  hochgezüchtete  edle  Zuckerrübe ­
  eine  ganz  erstaunliche  Anpassungsfähigkeit  an  Boden  und  Klima  bewiesen,  die
ihr  ein  fast  unbeschränttes  Anbaugebiet  sichert.  Das  Zuckerrohr  ist  auf  die  feuchten
Küstenniederungen  oder  die  bewässerungsfähigen  Flußtäler  der  Tropen  und  subtropischen
Gebiete  beschräntt,  Trockenheit  und  Frostgefahr  setzen  seiner  Ausdehnung  bestimmte
Grenzen;  die  Zuckerrübe  gedeiht  auf  den  humosen  Lehmböden  der  Magdeburger  Börde
wie  in  den  Sandböden  der  Lüneburger  Leide,  sie  liefert  lohnende  Erträge  bis  weit
nach  Norden  hinauf  ebenso  wie  in  den  heißen,  regenlosen  Böden  Südkaliforniens.
Im  fernen  Sibirien  hat  man  den  Rübenbau  begonnen,  in  Japan  arbeiten
deutsche  Techniker  in  neubegründeten  Zuckerfabriken,  in  Kanada  hat  man  wiederholte
Versuche  gemacht,  in  weiten  Tcileit  Nordamerikas  sind  sie  z.  T.  unter  Anwendung
künstlicher  Bewässerung  gelungen.  In  Australien,  Chile  und  Argentinien  hegt  man
immer  die  Loffnung  auf  Gelingen.  Schweden  hat  in  den  letzten  Jahren  seine  Zuckerindustrie
  so  gewaltig  entwickelt,  daß  die  Gefahr  einer  Überproduktion  vorliegt;
Spaniens  zahlreich  entstandene  Rübenzuckerfabriken  vermögen  schon  jetzt  im  Verein  mit
seinen  Zuckerrohr-Siedereien  das  Land  unabhängig  von  fremder  Einfuhr  zu  machen.
Italien  hat  in  jüngster  Zeit  in  den  Ebenen  der  Lombardei  unerwartet  große  Fortschritte
im  Rübenbau  gemacht  und  wird  in  kürzester  Frist  seinen  Bedarf  selbst  decken;
Rumänien,  Serbien,  Bulgarien  haben  erfolgreich  versucht,  die  Zuckerindustrie  bei  sich
heimisch  zu  machen.  Selbst  in  Persien  beginnt  man  den  Anbau  der  Rübe,  und  in
Ägypten  hat  man  erfolgreich  versucht,  neben  dem  Zuckerrohr  im  Äberschwemmungsgebicte
  des  Nils  Zuckerrüben  zu  bauen,  um  sie  ebenso  wie  in  einer  spanischen  Fabrik
abwechselnd  mit  dem  Rohr  in  denselben  Fabriken  zu  verarbeiten.
Allenthalben  zeigt  sich  das  Streben,  unter  staatlichem  Schutze  ein  Gewerbe  großzuziehen, ­
  das  für  Deutschlands,  Frankreichs  und  Qsterreichs  Landwirtschaft  so  segens ­
            
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