Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

24  Erster  Teil.  Deutsche  Volkswirte,  Kaufleute  und  Industrielle.

und  der  ihn  umgab.  Das  preußische  und  das  deutsche  Vaterland  konnten  allezeit  sicher
sein,  daß  die  Kruppsche  Fabrik,  fern  davon,  ein  Leerd  politischer  oder  sozialer  Anruhen
zu  werden,  —  wie  es  im  Jahre  1848  die  aus  ähnlichen  kleinen  Anfängen  hervorgegangene
Lokomotivfabrik  von  Borsig  in  Berlin  gewesen  war  —  durch  ihre  vorzügliche  Ordnung,
durch  die  Zufriedenheit  ihrer  Arbeiter  und  durch  den  mächtigen  Geist  ihres  Leiters  vielmehr ­
  einen  der  stärksten  Lalte  gegen  Amtriebe  und  Amsturzbewegungen  aller  Art,  für
die  Beobachtung  der  Gesetze  und  für  treue  Anhänglichkeit  an  Kaiser  und  Reich  darbieten ­
  würde.  Mochten  an  anderen  Orten  im  Laufe  der  Zeit  hin  und  wieder  Ausschreitungen ­
  nicht  zu  den  Seltenheiten  gehören,  hier  im  Mittelpunkte  der  rheinisch-westfälischen ­
  Großindustrie  zerschellte  jeder  Versuch  einer  derartigen  Bewegung  an  dem
festen  Gefüge  des  von  Krupp  geschaffenen  Gemeinwesens.
Dieses  glänzende  Beispiel  der  Ordnung  und  Gesetzlichkeit,  welches  die  Kruppsche
Fabrik  allwege  an  den  Tag  gelegt  hat,  ist  bei  aller  Anerkennung,  welche  die  Verdienste
des  genialen  Mannes  bisher  in  der  Öffentlichkeit  gefunden,  doch  noch  nicht  in  der  gebührenden ­
  Weise  gewürdigt  worden.  Auch  die  übrige  Industrie  unseres  Vaterlandes,
wenn  sie  schon  eifrig  bestrebt  war,  es  an  vielfachen  Beweisen  der  Fürsorge  für  die
Wohlfahrt  ihrer  Arbeiter  dem  Essener  Industriellen  gleichzutun,  hat  alle  Arsache,  ihm
Dank  zu  wissen  für  das  Gefühl  der  Sicherheit,  welches  das  erste  aller  großen  deutschen
Fabriketabliffemcnts  nicht  nur  den  eigenen  Arbeitern  und  deren  Lerrn  gab,  sondern,
einem  wohltätigen  Lauche  gleich,  auch  über  die  ganze  übrige  deutsche  Industrie,  namentlich
die  Eisen-  und  Stahlindustrie  und  deren  verwandte  Zweige  hin  verbreitete.  Für  diejenigen, ­
  welche  als  Augenzeugen  den  großen  Bergarbeiterstreik  im  Oberbcrgamtsbezirk
Dortmund  im  Jahre  1872  mit  erlebt  haben,  kann  es  gar  keinem  Zweifel  unterliegen,
daß  diese  Bewegung  ungleich  gefährlichere  Ausdehnung  und  Intensität  gewonnen  hätte
und  von  viel  längerer  Dauer  gewesen  sein  würde,  wenn  es  den  Anruhestiftern  gelungen
wäre,  auch  die  Kruppschen  Arbeiter  mit  in  die  Bewegung  hereinzuziehen.
Nicht  minder  ist  die  deutsche  Industrie  in  handelspolitischer  Beziehung  Alfred
Krupp  zu  Dank  verpflichtet.  Die  Geschichte  der  Entwicklung  der  deutschen  Warenausfuhr ­
  lehrt,  daß  die  hervorragende  Stellung  des  Essener  Industriellen  auf  dem  Gebiete ­
  der  Stahlfabrikation  in  Friedens-  wie  in  Kriegsartikeln  in  vielen  Ländern  recht
eigentlich  bahnbrechend  gewesen  ist  auch  für  andere  deutsche  Waren  und  Landelsartikel.
Es  lag  ja  für  Länder  wie  die  südamerikanischen  Republiken  oder  China  und  Japan
sehr  nahe,  sich  zu  sagen,  daß  ein  Land,  welches  Waren  von  so  auserlesener  Güte  wie
diejenigen  der  Kruppschen  Gußstahlfabrik  hervorbrachte,  in  anderen  Zweigen  der  menschlichen ­
  Tätigkeit  nicht  weniger  Vorzügliches  leisten  würde,  was  den  Vergleich  mit  den
Waren  aus  Sheffield,  Manchester,  Glasgow  und  anderen  englischen  Landelszentren
nicht  zu  scheuen  brauchte.  Vielfach  hat  auf  diese  Weise  gerade  das  Kruppsche  Kriegsmaterial ­
  langsam,  aber  sicher  eine  Mission  erfüllt,  welche  reicher  an  Eroberungen  des
Friedens  war  als  die  staunenerregcnden  Erfolge  Kruppscher  Geschütze  und  Geschosse  in
den  großen  Kriegen  der  Neuzeit.
Wie  das  geübte  Auge  des  Feldherrn  und  des  Lerrschers  die  richtigen  Persönlichkeiten ­
  auszuwählen  und  jedem  seinen  richtigen  Platz  anzuweisen  vermag,  so  verstand ­
  es  Krupp  in  bewunderungswürdiger  Weise,  sich  seine  Techniker  selbst  heranzuziehen
und  ihnen  die  Stelle  zu  geben,  in  der  sie  sich  bald  als  echte  Meister  vom  Fache  erprobten.
Lier  war  es  ein  preußischer  „Feuerwerker",  dessen  mathematisches  und  erfinderisches
Talent  ihn  zu  einem  der  ersten  Ingenieure  der  Fabrik  heranwachsen  ließ,  dort  war  es
ein  gelernter  Ingenieur,  dessen  fruchtbare  Ideen  sich  mit  denjenigen  des  Essener  Fabrikherrn ­
  vereinigten,  um  Werke  hervorzubringen,  welche  die  ersten  Artilleristen  der  Welt
in  Staunen  setzten.  Krupp  verlangte  von  seinen  Beamten  viel,  aber  in  seinen  gesunden
Jahren  war  er  auch  allen  vor  durch  seine  unermüdliche  Tätigkeit,  seine  unerschütterliche
Energie  gegenüber  allen  Schwierigkeiten  und  durch  seinen  fast  unerschöpflichen  Reichtum
            
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