Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

408  Fünfter  Teil.  Verkehrswesen.  I.  Zur  Geschichte  des  Verkehrswesens.

Von  Norden  nach  Süden  lassen  sich  hauptsächlich  4—5  Routen  unterscheiden.
3m  Westen  gingen  längs  des  Rheines  beiderseits  Lauptwege,  was  bei  der  damals
verhältnismäßig  noch  größeren  Bedeutung  der  Wasserstraße  an  sich  notwendig  war.  Von
Atrecht  und  Deventer  aus  ging  cs  nach  Köln,  dann  nach  Mainz;  östlich  hierauf  über
Lochst  zur  Bergstraße,  welche  schon  1002  mit  ihrem  Namen  erwähnt  wird;  dann  beim
späteren  Leidelberg  über  den  Fluß  und  entweder  nach  Breisach  und  Basel  oder  bei
Bretten  und  Mühlacker  südöstlich  über  Vaihingen,  Kannstadt,  Eßlingen,  Göppingen
nach  Alm,  Kempten,  Reutte,  Lermoos,  Fernpaß,  Imst,  Landeck,  Reschenpaß,  Meran
und  über  Eppan  und  Kältern  oder  etwa  auch  über  Bozen  nach  Trient.  Die  westliche
Parallele  war  meist  doppelt;  doch  gaben  die  Plätze  Worms,  Speier,  Straßburg  der
Afcrlinie  eine  vorwiegende  Frequenz.
Der  zweite  durchgehende  Äauptweg  verlief  durch  das  Wescrgebiet,  aber  weit
weniger  gradlinig.  Man  kam  von  Minden  nach  Lerford,  Detmold,  über  die  Lochstraße ­
  auf  dem  Eggegebirg  zur  Diemel,  und  es  ging  dann  entweder  südöstlich  über
Fritzlar  nach  Melsungen  an  die  Fulda  und  hier  über  Lcrsfeld,  Fulda,  Schlüchtern
nach  Würzburg;  oder  man  hielt  sich  direkter  südlich  und  kam  über  die  obere  Eder  nach
Marburg,  Gießen,  Butzbach,  Friedberg,  Frankfurt  (auch  Butzbach,  Zdstein,  Mainz).
Der  Weg  von  Würzburg  ging  über  Öchsenfurt,  Rotenburg,  Dinkelsbühl,  Nördlingen,
um  dann  einerseits  über  Nehresheim  bei  Lauingcn  oder  Dillingen  die  Donau  zu
passieren,  andererseits  bei  Donauwört  sich  mit  der  Nürnberger  Leerstraße  zu  vereinigen. ­
  Von  Augsburg  ging  cs  bis  1380  über  Weilheim  nach  Mittenwald,  von  da
an  aber  über  Oberammergau,  einer  Lauptstation  für  Fuhrwerke.
Diese  Nürnberger  Linie  hatte  ihren  nördlichsten  Ausgangspunkt  zu  Karls  des
Großen  Zeit  in  der  Nähe  des  entstehenden  Lamburg  gewonnen,  nämlich  bei  Bardewiek, ­
  nordöstlich  von  Lüneburg.  Lieher  war  schon  lange  vor  der  deutschen  Anlage
Lübecks  von  letzterem  aus  der  Warcnzug  über  Mölln  herangekommen.  Dann  bezeichnet
Braunschweig  und  Goslar  die  wichtigsten  Etappen.  Doch  wurde  entweder  von  Braunschweig ­
  aus  über  Lalberstadt,  Aschersleben,  Sangerhausen  der  Larz  umgangen,  so
daß  man  hier  bei  Sachsenburg  die  Anstrutenge  in  der  Richtung  auf  Erfurt  passierte,
oder  man  kam  von  Goslar  über  Osterode,  Duderstadt,  Mühlhausen  heran.  Von
Erfurt  führte  die  Straße  nach  Suhl  und  dann  entweder  über  Mellrichstadt  nach  dem
Main  oder  über  Bamberg,  Forchheim  nach  Nürnberg;  dann  entweder  nach
Weißenburg  a.  S.,  Donauwörth  oder  über  Velburg,  Burglengenfeld  nach  Regensburg.
Eine  Lauptstraßc  rechts  der  Elbe  bekam  ein  wichtiges  südlicheres  Ziel  zuerst  an
Leipzig,  das  teils  von  Schwerin  und  Magdeburg  her  über  Dessau  (oder  Lalle)  erstrebt
wurde,  teils  von  Stettin  und  Greifsivald  über  Berlin,  (Treuen-)Brietzen,  Wittenberg.
Südlich  spaltete  sich  erst  bei  Los  der  Weg,  indem  man  teils  südwestlich  über  Kreußen
nach  Nürnberg,  teils  südöstlich  über  Eger-Waldsasscn  nach  Regensburg  fuhr.  —
Weiter  sodann  ward  die  Route  Stettin—Frankfurt,  Kottbus—Bautzen  wichtig.  Von
letzterem  ging  cs  entweder  über  Pirna  nach  dem  Berggießhübel—Nollendorfer  Passe
und  nach  Teplitz  und  Prag  oder  über  Zittau  und  Reichcnberg  nach  dem  Innen»
Böhmens.
Die  Wege  über  Breslau  und  die  obere  Oder  südlich  lassen  sich  zurzeit  nur  ganz
allgemein  bestimmen,  insofern  der  Durchweg  durch  den  Glaher  Gebirgskessel  und  der
von  Leobschütz  über  Iägerndorf—Troppau  genannt  werden.
Ostwestlich  nun  oder  mehr  diagonal  können  wir  im  ganzen  auf  drei  bedeutendere
Routen  uns  beschränken,  indem  wir  die  uralte  Linie  Salzburg—Astn—Kannstadt—
Mühlacker  oder  Pforzheim—Straßburg—Nancy  als  hergebracht  voraussehen.  Dann
beachten  wir  zunächst  die  Donau-Mainzer  Straße  von  der  Ems-  oder  der  Innmündung
über  Regensburg  nach  Nürnberg,  Windsheim,  Affenheim,  Ochsenfurt,  Würzburg.  Als
Teilparallele  diente  die  Linie  Prag—Pilsen—Taus—Cham—Amberg—Sulzbach—
            
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