Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2.  Zur  Geschichte  des  Kölner  Postwesens.

419

27«

städtische  Botenanstalt  kennzeichnen  deutlich  die  Unsicherheit  der  damaligen  postalischen
Einrichtungen.  Trotzdem  waren  die  Verbindungen  weitreichende  und  regelmäßige.  Einer
„General-Kölnischen  Postordinanz"  aus  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  ist  zu
entnehmen,  daß  das  Kaiserliche  Postamt  in  der  Brückenstraße  sowie  das  städtische
Botenamt  auf  dem  Leumarktc  an  bestimmten  Tagen  nach  allen  Richtungen,  auch  im
Verkehre  mit  dem  Auslande,  Briefe  beförderten;  daneben  geschah  dies  noch  von
besonderen  Boten,  die  zumeist  im  Dienste  anderer  Städte  standen  und  den  Verkehr
mit  diesen  vermittelten,  wobei  die  Absender  die  Briese  zu  gewissen  Zeiten  der  Woche
in  der  betreffenden  Botenherberge  abliefern  mußten.  Übrigens  dauerten  die  Zwistigkeiten
der  Kaiserlichen  Post  und  des  städtischen  Botenamts  untereinander  fort,  und  dieser
Intereffenstreit  wurde  vermehrt  und  erweitert  dadurch,  daß  im  Jahre  1687  auch  das
Kurfürstlich-Brandenburgische  Postwesen  zunächst  durch  Errichtung  einer  regelmäßigen
Personen-  und  Paketfuhrgelegenheit  zwischen  Kleve  und  Köln  in  unserer  Stadt
auftrat  und  sich  mit  Genehmigung  des  städtischen  Rates  und  des  Kölner  Kurfürsten
schließlich  auch  als  Preußische  Post  dauernd  zu  behaupten  wußte,  obwohl  anfangs  von
anderer  beteiligter  Seite,  ja  selbst  vom  Kaiser  gegen  diesen  Wettbewerb  Einspruch
erhoben  wurde.  Zu  der  Kurbrandenburgischen  Post  traten  dann  weiter  auch  noch
einzelne,  von  Kurpfalz  und  Kurköln  konzessionierte  Landkutschen  zur  Beförderung  von
Personen  und  Paketen  zwischen  Köln  und  den  Nachbarstädtcn.  Im  Jahre  1709
erhielt  das  Kaiserliche  Postamt  zum  erstenmale  dadurch  eine  feste  Stätte,  daß  von
Taxisscher  Seite  der  alte  Äürther  Los  in  der  Glockengüsse  erworben  wurde,  der  mit
kurzer  Unterbrechung  während  der  französischen  Zeit  bis  zum  Jahre  1893  Sitz  der
Kölner  Postverwaltung  geblieben  ist.  Zu  dieser  Postanstalt  trat  im  Jahre  1751  das
bisherige  städtische  Amt  in  der  Börse  auf  dem  Lcumarkt  als  Zweigstelle  hinzu,  nachdem ­
  der  Rat  der  Stadt  seine  eigene  Botenanstalt  gegen  eine  jährliche  Abgabe  an  die
Taxissche  Verwaltung  abgetreten  und  damit  den:  jahrhundertelangen  Streite  zwischen
den  beiden  Verwaltungen  ein  Ende  gemacht  hatte.  Auf  die  Entwickelung  des  Kölner
Postwcsens  konnte  dieser  Schritt  nur  wohltätig  einwirken;  der  Verkehr  ließ  sich  nunmehr ­
  freier  und  selbständiger  ausgestalten,  und  als  im  Jahre  1794  „der  Römisch
Kaiserlichen  Majestät  Erb-General-Reichs-Oberpostamt  zu  Köln"  durch  das  Einrücken
der  Franzosen  ein  Ende  fand,  war  dasselbe  eines  der  bedeutendsten  Anstalten  der
Taxisschen  Verwaltung,  hatte  auch  die  Stellung  einer  vorgesetzten  Behörde  gegenüber
einem  Teile  der  Postämter  auf  dem  linken  Rheinufer.
Nach  Beseitigung  der  Franzosenherrschaft  (1814)  ging  die  Kölner  Post  zunächst
für  kurze  Zeit  noch  einmal  an  die  Taxissche  Verwaltung  über,  bis  dann  im  Jahre  1816
der  Preußische  Staat  seine  Tätigkeit  begann,  der  schon  längst,  wie  andere  deutsche
Staaten,  nicht  nur  das  Postregal,  d.  h.  das  Recht,  ausschließlich  Posten  anzulegen
und  zu  unterhalten,  für  sich  in  Anspruch  nahm,  sondern  auch  den  Postzwang  eingeführt ­
  hatte,  nach  welchem  die  regelmäßige  Beförderung  von  Personen,  Briefen  und
Paketen  ihm  allein  vorbehalten  war  (jetzt  auf  Briefe  und  politische  Zeitungen  beschränkt,
nach  näherer  Bestimmung  des  Reichsgesetzes  über  das  Postwcsen).  Die  musterhafte
Organisation  der  Preußischen  Verwaltung  brachte  auch  unserer  Stadt  neue  Vorteile.
Die  auswärtigen  postalischen  Verbindungen  wurden  alsbald  wesentlich  verbessert  und
erweitert,  aber  auch  im  örtlichen  Verkehr  bedeutende  Erleichterungen  eingeführt.  Im
Jahre  1824  ging  man  mit  der  Aufstellung  von  Briefkasten  vor,  die  allerdings  erst
seit  1850,  nach  Einführung  der  Freimarken,  größere  praktische  Bedeutung  gewannen.
Gegenwärtig  beträgt  ihre  Zahl  in  Köln  450.  Auch  das  Briefbestellungswesen  in  der
Stadt  nahm  eine  geordnetere  Gestalt  an,  während  den  umliegenden  Wohnplätzcn,
deren  Bevölkerung  bis  dahin  auf  das  Abholen  der  Sendungen  am  Kölner  Postamte
angewiesen  war,  die  Anstellung  von  Landbriefträgern  eine  große  Erleichterung  brachte.  Die
Einrichtung  öffentlicher  Verkaufsstellen  für  Postwertzeichen  begann  in  Köln  im  Jahre  1872.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.