Full text : Die deutsche Volkswirthschaft und der Weltmarkt

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Schaft  ihren  Bedarf  entsprechend  einschränken  müssen.  Auch  von
dieser  Seite  aus  zeigt  sich  wieder,  dass  die  Politik  des  Bundes
der  Landwirthe  die  einseitigen  Interessen  des  Grossgrundbesitzes ­
  und  nicht  die  der  gesammten  deutschen  Landwirtschaft ­
  vertritt.
Den  grössten  Schaden  wird  aber  die  deutsche  Grossindustrie
haben.  Die  Wirkung  für  diese  besteht  in  der  Erhöhung  der  Löhne.
Nehmen  wir  mit  Engel  den  jährlichen  Bedarf  an  Brotgetreide  mit
183  kg  pro  Kopf  an,  so  braucht  eine  Arbeiterfamilie  von  5  Personen
im  Jahre  9  dz  Brotgetreide.  Bei  dem  jetzigen  Zollsätze  zahlt  sie
davon  an  den  Staat  und  an  die  Landwirtschaft  mehr  als
31  M.  Rechnet  man  dazu  noch  die  Zölle  für  Fleisch,  Fett,  Butter  usw.,
so  erhöht  sich  dieser  Betrag  noch  um  ein  Beträchtliches.  Um  die
Zölle  müssen  die  Löhne  erhöht  werden,  und  damit  erfahren  die
Produktionskosten  unserer  Fabrikate  eine  sehr  gefährliche  Erhöhung,
die  uns  den  Wettbewerb  auf  dem  Weltmarkt  erschweren  kann  und
wird.  Unsere  Löhne  sind  augenblicklich  noch  etwas  niedriger  als  in
England,  unserem  grossen  Rivalen,  aber  sie  sind  in  den  letzten  Jahren
sehr  bedeutend  gestiegen.  Wir  haben  für  die  letzten  10  Jahre  eine
Steigerung  der  Tagelöhne  um  volle  1O°/ 0  zu  verzeichnen  und  der
Preis  der  qualifizirten  Arbeit  ist  noch  rascher  und  bedeutender  gewachsen. ­
  Wir  schliessen  unsere  Ausführungen  mit  einer  Tabelle,
welche  eindringlicher  als  alle  logischen  Erörterungen  erkennen  lässt,
was  der  Getreidezoll  für  die  Konkurrenzfähigkeit  der  deutschen
Industrie  auf  dem  Weltmarkt  bedeutet.  Die  Tonne  Weizen  kostete

nach  Conrad:
in  Mark

in  England

in  Preussen

in  England  mehr  +

1821—40

260

130

weniger  —
+  130

1841—60

245

190

+  55

1861—80

350

325

+  25

1881—90

147

174

—  27

1891—98

130

165

—  35

Und  dazu  kommt  nun  endlich,  dass  die  Absatzbedingungen  im
Auslande  sich  aller  Voraussicht  nach  erheblich  verschlechtern
würden.  Gerade  zweiLänder,  welche  zu  unsern  allerwichtigsten  Absatzgebieten ­
  gehören,  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  und  Russland,
sind  mit  ihren  vitalsten  Interessen  an  der  Offenhaltung  des  deutschen
            
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