Full text : Die Reichseisenbahnen

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Verhandlungen  leicht  in  die  Gefahr,  das  Schauspiel  advokatorischer  Verfechtung ­
  von  Einzelinteressen  zu  bieten.
Man  könnte  einwenden,  daß  derartige  Erfahrungen  bei  den  Unterhandlungen ­
  zwischen  den  Eisenbahnverwaltungen  bisher  nicht  immer
zutage  getreten  sind,  vielmehr  zahlreiche  und  wichtige  Erfolge  im  Sinne
der  Einheitlichkeit  und  Verständigung  erzielt  wurden.  Das  trifft  für  die
Vergangenheit  zu,  besagt  aber  nichts  für  die  Aussichten  der  Zukunft.
Bisher  hatten  die  Einzelstaaten  nicht  nur  ein  eigenes  und  lebhaftes
Interesse  an  der  Verständigung  aus  sachlichen  Gründen,  es  drohte  immer
auch  letzten  Endes  im  Hintergründe  der  Reichseisenbahngedanke.  Hierzu
kam  ferner,  daß  Preußen  seine  Aufgabe  als  führender  Eisenbahnstaat
stets  auch  darin  gesehen  hat,  im  Interesse  der  Allgemeinheit  voranzugehen, ­
  nötigenfalls  unter  besonderen  Opfern.
Hier  liegt  der  Fall  anders.  Hier  handelt  es  sich  nicht  um  Verständigungen, ­
  die  letzten  Endes  die  Stellung  der  Einzelverwaltungen
selbst  stärken,  sondern  schließlich  doch  darum,  daß  diese  den  Scheiterhaufen ­
  mit  ihren  Opfergaben  rüsten  sollen,  aus  dessen  Asche  der  Phönix
der  Reichseisenbahn  emporsteigen  soll.  Von  dem  aber,  der  sich  sein
eigenes  Grab  grübt,  ist  besonderer  Eifer  und  besondere  Opferwilligkeit
mit  Recht  nicht  zu  erwarten.
Vielleicht  ist  es  aus  diesen  Gründen  richtiger,  das  Reich  sofort
einmal  in  den  Sattel  zu  setzen.  Man  könnte  dem  Beispiel
Preußens  bei  der  Verstaatlichung  der  großen  Privatbahnen  folgen,
indem  das  Reich  vor  dem  Erwerbe  zu  Eigentum  die  Verwaltung  der  zu
übernehmenden  Eisenbahn  für  Rechnung  der  bisherigen  Eigentümer
übernimmt.
Geht  das  Reich  in  dieser  Weise  vor,  übernimmt  es  die  Verwaltung
einstweilen  zu  treuen  Händen  für  Rechnung  der  Eigentümer  bis  zur
endgültigen  Auseinandersetzung,  so  würden  die  bestehenden  Schwierigkeiten ­
  sich  wesentlich  erleichtern.
Der  wichtigste  Vorteil  wäre  der,  daß  das  Reich  sich  gewissermaßen
zunächst  einmal  in  den  Besitz  setzt  und  damit  sich  alle  Vorteile  des  Besitzenden ­
  sichert.  Es  würde  über  die  vorhandenen  Kräfte  und
Intelligenzen  allein  verfügen.
Der  zweite  wichtige  Vorteil  wäre  der,  daß  die  neue  Reichsverwaltung ­
  einen  genauen  und  erschöpfenden  Einblick  in  die  wirtschaftlichen
und  betrieblichen  Verhältnisse  der  einzelnen  Netze  gewinnen  würde.  Zur
Zeit  ist  die  Reichsregierung  auf  die  Einholung  von  Auskünften  und  die
vorhandenen  Unterlagen,  namentlich  des  Reichseisenbahnamtes,  beschränkt. ­
  Ob  die  bundesstaatlichen  Verwaltungen  geneigt  sein  werden,
der  Reichsregierung  ein  tiefes  Eindringen  in  alle  Einzelheiten  der  Verwaltung ­
  zu  erleichtern,  kann  dahingestellt  bleiben.  In  jedem  Falle  ist
            
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