Full text : Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

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Grund  dafürt,  daß  die  Rentenkurse  weniger  herabsanken.  Hierzu
kommt,  daß  bei  der  französischen  Sparsamkeit,  dem  alten,
ererbten  Reichtum,  dessen  Zunahme  im  Verhältnis  zur  Einwohnerzahl ­
  größer  ist,  als  in  Deutschland  und  England,  jährlich
größere  Summen  der  Anlage  in  mobilen  Werten  harren,  als
in  jenen  beiden  Ländern,  da  nur  der  dritte  Teil  oder  höchstens
2 / 5  der  Jahresersparnisse  im  Inland  produktive  Verwendung
finden.  Politische  und  vaterländische  Interessen,  Erziehung,  Gewöhnung, ­
  Bequemlichkeit,  sowie  alle  Staatseinrichtungen  weisen
die  Kapitalien  Frankreichs  auf  die  Anlage  in  französischen  Renten ­
  hin.  Die  stete  Zunahme  des  Kapitalvermögens  sucht  in
erster  Linie  in  französischen  Anleihen  Unterkunft  und  Anlage.
Diese  Ausführungen  zeigen,  daß  als  wesentlichste  Ursache
für  das  Zurückgehen  der  Börsenpreise  der  Staatspapiere  die
außerordentliche  volks-  und  weltwirtschaftliche  Entwicklung  zu
bezeichnen  ist,  die  Deutschland  in  den  letzten  40  Jahren  unter
der  Gunst  eines  ernstlich  nicht  gestörten  Friedens  durchmachte.
Diese  Entwicklung  hatte  für  das  hier  zu  betrachtende  Probleni
außerordentlich  schwerwiegende  Folgen.  Sowohl  das  Reich
wie  die  Bundesstaaten  sahen  sich  infolge  jener  schnellen  Entfaltung ­
  der  wirtschaftlichen  Kräfte  in  Deutschland  fortwährend
vor  neue  Aufgaben  gestellt,  die  zum  Teil  nur  unter  Aufwendung
außerordentlicher  Mittel  erfüllt  werden  konnten.  Für  die  Beschaffung ­
  dieser  Mittel  standen  zwei  Wege  offen,  einmal  die
Erhöhung  der  regelmäßigen  staatlichen  Einnahmen  durch  Anziehen ­
  der  Steuerschraube  oder  Erschließung  anderer  neuer
Einnahmequellen,  zweitens  die  Ausgabe  von  Schuldverschreibungen. ­
  Sowohl  vom  Reich,  wie  von  den  deutschen  Bundesstaaten  ist
vorzugsweise  der  zweite  Weg  gegangen  worden.  Reich  und  Bundesstaaten ­
  sind  mit  außerordentlichen  Anforderungen  an  den  Geldmarkt ­
  herangetreten.  Um  welche  Beträge  es  sich  hierbei  handelt,
geht  aus  folgenden  Zahlen  hervor:  Die  gesamte  Reichsschuld
stellte  sich  im  Jahre  1881  auf  rund  268  Millionen  Mark.  Sie
war  bis  zum  1.  Oktober  1910  auf  rund  4997  Millionen  Mark  angewachsen. ­
  In  einem  Zeitraum  von  rund  30  Jahren  hatte  sie  sich
also  um  4730  Millionen  Mark  erhöht.  Die  preußische  Staatsschuld ­
  bezifferte  sich  im  Jahre  1880  auf  rund  1395  Millionen
            
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