Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

I.  Einleitung.

Im  Jahre  1904  sind  100  Jahre  verflossen,  seit  der  Franzose
Francois  Appert,  Küchenmeister  des  Königs  Christian  VII.  von  Dänemark, ­
  ein  Verfahren,  Nahrungsmittel  in  luftdicht  verschlossenen  'Gefäßen ­
  auf  lange  Zeit  haltbar  zu  machen,  der  Öffentlichkeit  übergab.
Die  französische  Regierung  erteilte  damals  dem  Erfinder  einen  Ehrenpreis ­
  von  12000  Frcs.,  nachdem  das  Verfahren  durch  Gelehrte  geprüft ­
  worden  und  von  diesen  für  sehr  beachtenswert  befunden  war.
Appert  veröffentlichte  das  Wesen  seiner  Erfindung  in  ausführlicher
Weise  in  dem  Buche 1 );  „Le  livre  de  tous  les  menages,  ou  l’art  de
conserver  pendant  plusieurs  annees  toutes  les  substances  animales  et
vegetales“.  Man  kann  daher  das  Jahr  1804  als  das  Geburtsjahr  der
modernen  Konservenindustrie  bezeichnen.
Das  Verfahren  ist  in  der  Folgezeit  von  Gelehrten  und  Praktikern
weiter  ausgebildet  und  modifiziert  worden,  im  großen  ganzen  aber
ist  die  Appertsche  Methode  die  Grundlage  geblieben.  Wenn  beispielsweise ­
  Pasteur  und  andere  auch  auf  diesem  Gebiet  die  praktischen
Erfahrungen  Apperts  auf  eine  wissenschaftlich  exakte  Grundlage
stellten,  so  haben  sie  damit  nur  einen  Teil  der  Leistung  des  ehemaligen ­
  Koches  in  helles  Licht  gerückt.
Im  allgemeinen  bezeichnen  wir  als  Konserven  die  durch  geeignete ­
  Behandlung  auf  eine  größere  oder  geringere  Dauer  haltbar
gemachten  Nahrungs-  und  Genußmittel.  Der  große  Nutzen  dieser
Erfindung  geht  aus  folgendem  hervor;  Die  Konservenindustrie  setzt
vieh-  und  früchtereiche  Länder  in  den  Stand,  ihren  Überfluß  an  andere
weniger  gesegnete  Landstriche  abzugeben,  zugleich  aber  trägt  sie
dazu  bei,  die  ungleiche  Verteilung  der  Nahrungsmittel  über  die  Zeit
auszugleichen.  Und  nicht  nur  für  die  Beschaffung  des  normalen  alltäglichen ­
  Lebensunterhalts  der  Völker,  vor  allem  auch  für  die  Ausrüstung ­
  der  großen  modernen  Heere,  die  Verproviantierung  von
0  V.  Auflage,  Paris  1834.
Abhandlungen  d.  staatsw.  Seminars  z.  Jena,  Bd.  IV,  Heft  3.  1
Wagner,  Konserven  und  Konservenindustrie  in  Deutschland.
            
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