Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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Auf  diese  Weise  hat  sich  der  Spargelbau  in  der  Braun  Schweiger
Gegend  immer  mehr  ausgedehnt.  Die  folgende  Tabelle,  die  dem  Ergebnis ­
  der  vom  Herzoglichen  Staatsrainisterium  veranstalteten  Erhebungen ­
  über  die  Bodenbenutzung  entnommen  ist 1 ),  gibt  ein  anschauliches ­
  Bild  von  der  steten  Veränderung  der  Anbauflächen  des
Spargels,  der  Erbsen  und  Bohnen  in  den  einzelnen  Kreisen  des  Landes
in  den  Jahren  1878  —1900.  Nach  dieser  Berechnung  wurde  im
ganzen  Herzogtum  Braunschweig  im  Jahre  igoo  auf  2281,08  ha
Spargel  gezogen,  dagegen  im  Jahre  1893  nur  auf  1227,05  ha,  im
Jahre  1883  au f  609  ha,  1878  auf  323  ha.
(S.  Tabellen  S.  28—80.1
Die  heutige  Anbaufläche  von  Spargel  in  der  Braunschweiger
Gegend  wird  von  Sachverständigen  auf  Grund  von  Berechnungen,  die
der  Gemüsebauverein  angestellt  hat,  auf  etwa  6000  Braunschweiger
Morgen  (x  Morgen  =  3,99  ha),  der  Gesamtertrag  an  Spargel  auf
60000  Ztr.  im  Werte  von  ungefähr  2400000  M.  geschätzt,  während
1874  das  gesamte  Spargelland  auf  500  Morgen,  der  Gesamtertrag  auf
5000  Ztr.  berechnet  wurde.
Der  gewaltigen  Ausdehnung  der  Anbaufläche  und  des  Ertrages
entsprechend,  hat  sich  auch  die  Zahl  der  bei  der  Spargelfeldbewirtschaftung ­
  und  insbesondere  bei  der  Ernte  tätigen  Arbeitskräfte  außerordentlich ­
  vermehrt.  Wenn  im  Jahre  1874  etwa  500  Arbeiter  und
Arbeiterinnen  bei  der  Spargelernte  beschäftigt  waren,  so  beläuft
sich  heute  nach  Angaben  der  besten  Kenner  der  Sachlage  die  Zahl
der  in  den  Monaten  Mai  und  Juni  als  Spargelstecherinnen  angestellten
Frauen  und  Mädchen  auf  etwa  8000.  Diese  Masse  weiblicher  Arbeitskräfte ­
  läßt  sich  aus  der  Stadt  oder  näheren  Umgegend  nur  zum
kleinen  Teil  beschaffen,  zumal  die  Braunschweiger  Arbeiterinnen  die
viel  bequemere  und  lohnendere  Beschäftigung  in  den  Konservenfabriken ­
  entschieden  und  mit  Recht  vorziehen.  Die  Spargelanlagenbesitzer ­
  sind  daher  gezwungen,  sich  alljährlich  für  die  Erntezeit  weibliche ­
  Arbeitskräfte  aus  anderen  Gegenden,  aus  dem  Harze,  dem  Eichsfelde, ­
  auch  aus  Polen  kommen  zu  lassen.  Diese  Arbeiterinnen  werden
dann  zum  Teil  noch  bei  der  Erbsen-  und  Bohnenernte  als  Pflückerinnen
verwandt.

1)  Vgl.  Beiträge  zur  Statistik  des  Herzogtums  Braunschweig.  Herausgegeben  vom
Statistischen  Bureau  des  herzogl.  Staatsministeriums,  Heft  VI,  S.  55.  Die  Zahlen  für  1893
und  1900  wurden  vom  Vorstand  des  Statistischen  Bureaus  Braunschweig  in  liebenswürdiger
Weise  zur  Verfügung  gestellt.
            
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