Full text: Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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geräumt sind, mit Vorräten an Spargel, Erbsen und Bohnen noch über 
füllt. Hierdurch entstand in der Konservenindustrie eine Krisis, die in 
allen Teilen Deutschlands gleichmäßig beobachtet wurde. Die Wirkungen 
derselben zeigten sich auch bald. Einzelne Fabriken waren sogar ge 
zwungen, infolge ihrer ungünstigen Lage ihren Betrieb gänzlich ein 
zustellen. 
Der Verein deutscher Konserven- und Präservenfabrikanten 
berief im März 1902 einen Kongreß sämtlicher Konservenfabrikanten 
nach Braunschweig, um über die mißliche Lage der Industrie zu 
verhandeln, und soweit möglich mittelst geeigneter Maßnahmen Ab 
hilfe zu schaffen. Die starke Teilnehmerzahl dieses Kongresses, es 
waren über 130 Vertreter erschienen, bewies, daß eine Krisis der 
Industrie überall beobachtet wurde und daß man überall das Bedürfnis 
nach baldiger Abhilfe empfand. 
Worauf war die bedrängte Lage der Industrie nun zurückzu 
führen? — Allgemein erkannte man eine Überproduktion, entstanden 
durch die Vergrößerung alter und die Errichtung neuer Fabriken 
a n. Aber auch die Mißwirtschaft, welche teilweise in einzelnen meist 
jungen Fabriken betrieben wurde, hatte ihren Teil zur schlechten 
Lage der Industrie beigetragen. Diese Mißwirtschaft machte sich in 
kopflosen ängstlichen Verkäufen bemerkbar und ermöglichte den 
Verkauf von Gemüsekonserven zu Preisen, die nicht einmal die 
Herstellungskosten der Fabrikanten deckten. Durch solche Manipu 
lationen wurde natürlich die ganze Industrie erheblich geschädigt. 
Lurch den Verkauf schlechter, oft ungenießbarer Konserven, von 
Neulingen der Branche hergestellt, wurden die Konsumenten geradezu 
abgeschreckt, Konserven zu kaufen, was zur Verringerung des Ab 
satzes beitrug. Die Unsicherheit des Verkaufs der Konserven wurde 
üoch vermehrt durch die verschiedene Bezeichnung der einzelnen 
Qualitäten, da Bestimmungen hierüber nicht existierten, durch die 
verschiedensten Lieferungsbedingungen, durch das gegenseitige Preis- 
ünterbieten der Fabrikanten bei Beschaffung von Aufträgen und 
durch die Gewohnheit vieler Zwischenhändler, Konserven nicht nach 
Qualität, sondern nach den billigsten Preisen zu kaufen. 
Als Maßnahmen, die imstande wären, die Lage der Konserven- 
^dustrie zu bessern, sind zu erwähnen: 
1. Einschränkung der Produktion. 
2. Eine Verständigung sämtlicher Konservenfabrikanten über 
Mindestpreise. Diese wäre an sich sehr wünschenswert, ist indessen 
nur durchführbar, wenn sämtliche Fabrikanten hierzu bereit sind.
	        
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