Full text : Magdeburger Großkaufleute

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und  Kolonialwarenhandlung  von  Eichel  &  Schmidt,  die  in  Magdeburg  zu  den
ältester:  und  größten  Geschäften  der  damaligen  Zeit  gehörte.  Zu  den  Obliegenheiter:
  des  jungen  Lehrlings  gehörte  neben  mancherlei  Arbeiten  auch  jene,  die
Tabaksdose  des  Chefs  jeden  Morgen  neu  zu  stillen.  Da  der  Seniorchef  abends
nie  eher  das  Kontor  verließ,  als  bis  die  Tabaksdose  geleert  war,  so  mag  sich
der  junge  Lehrling  schon  damals,  um  diesen  Zeitpunkt  eher  herbeizuführen,
durch  unberufene  Mithilfe  die  leidenschaftliche  Vorliebe  für  das  Tabakschnupseu
angenommen  haben.  Die  Tabaksdose  blieb  ihm  eine  treue  Gefährtin  für  das
ganze  Leber:,  und  je  schwieriger  die  zu  führenden  Verhandlungen  waren  und
je  ir:ter:siver  der  Geist  zu  arbeite::  hatte,  um  so  mehr  wurde  dann  die  Dose
benutzt.  Noch  vor  Beendigung  seiner  Lehrzeit  wurde  der  junge  Kaufmann,  der
sich  seirres  Fleißes  :u:d  seiner  Tüchtigkeit  wegen  großer  Zuneigung  und  reichen
Vertrauens  seiner  Chefs  erfreute,  häufig  auf  Reisen  geschickt,  wo  er  infolge
seines  liebenswürdigen  Wesens  rurd  seiner  geselligen  Talente  gute  Aufträge  nach
Kaufe  senden  korrnte.  Später  wurde  er  dann  als  Reisender  vor:  der  damals  sehr
bedeutender:  Raffinerie  von  L.  Jacobs  ir:  Potsdam  ar:gestellt.  Vor:  der  Kerrlichkeit
  solchen  Reiser:s,  als  Vertreter  einer  hochangesehenen  Firma,  kann  man
sich  heute  in  der:  jüngeren  kaufmännischen  Kreisen  kaum  noch  eine  Vorstellung
machen;  der:::  die  Eisenbahn  hat  die  Idylle  dieser  kaufmännischen  Tätigkeit  inzwischen ­
  völlig  zerstört.  Daruals  aber  ging  es  mit  eigener:  Pferder:,  in:  eigener:
bequemen  Wäger:,  gesrihrt  von  eir:eu:  alten  zum  Kaufe  gehörigen,  ruit  dessen
Wohl  und  Wehe  eng  verwachsenen  Kutscher,  durch  die  deutschen  Lande,  von:
Norden  zum  Süden,  vorr:  Osten  zum  Westen.  In  bestimmter  Wiederkehr  wurden
die  alten  treuen  Kunden  besucht,  die  den  Reisenden  als  ihren  Vertrauensmann
betrachteten,  für  den  sie  ihre  besten  Aufträge  aufhoben.  Neue  Kunden  mußten
durch  persönliche  Liebenswürdigkeit  und  durch  strengste  Reellität  erworben
werden.  Für  die  großen  Städte  bedurfte  der  Reisende  geradezu  weltmännischer
Bildur:g,  ir:  der:  kleinen  und  kleinsten  Orten  hatte  er  sich  in  spießbürgerliche
Neigungen  und  Anschauungen  zu  schicken.  Besuch  von  Maskenbällen,  Schützenfesten ­
  und  dergleichen  gehörte  gewissermaßen  mit  zur  Erfüllung  der  dienstlichen
Oblieger:heiter:  eines  gewandten  Reisenden,  der  nicht  nur  mit  den  Kunden,  sondern ­
  auch  mit  den  konkurrierenden  Kollegen  in:  guten  Einvernehmen  verkehren
„rußte.  Welche  Frille  heiterer  Erinnerungen  knüpften  sich  an  diese  herrliche  Reisezeit, ­
  die  den  Kindern  in  späteren  Jahren  lebendig  vor  Augen  gesrihrt  wurde.
Es  war  gleichsam  die  Strldentenzeit  für  den  Kaufmann,  —  allerdings  mit
dem  gewaltigen  Unterschiede,  daß  dabei  eine  erfolgreiche  und  gewinnbringende,
angestrengte  Tätigkeit  Vorbedingung  des  freudige,:  Lebensgenusses  war.
            
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