78
Untersuchung von Boden.
in eine größere Schale mit destilliertem Wasser hängt, so gibt der Boden an das destillierte
Wasser mehr oder weniger ah: Kalk, Magnesia, Eisen, Kali, Natron, Kieselsäure, Chlor,
Phosphorsäure, Schwefelsäure und auch organ. Substanz, welche durch Pergamentpapier
diffundiert. Aus letzterem Verhalten glaubt Petermann, wie schon in den 50-er Jahren
Risler, schließen zu sollen, „daß die Pflanzen einen Teil ihres Kohlenstoffs den organischen
Substanzen des Bodens“ verdanken.
10. Ermittelung der aufnehmbaren Nährstoffe (der Fruchtbarkeit) des Bodens
aus dem Gehalt der in ihm gewachsenen Pflanzen an Nährstoffen. Da es bis
jetzt nicht möglich ist, die Menge der aufnehmbaren Nährstoffe durch die chemische
Untersuchung direkt zu bestimmen — Mineralsäuren, Zitronensäure führen zu viel, kohlensäure
haltiges Wasser zu wenig in Lösung —, so ist mehrfach der Versuch gemacht worden,
aus dem Gehalt der in dem Boden gewachsenen Pflanzen an Nährstoffen auf einen größeren
oder geringeren Gehalt des Bodens an aufnehmbaren Nährstoffen zu schließen.
Weinhold 1 ) verglich die Aschen der verschiedenen Unkräuter miteinander; er er
wartete eine Ähnlichkeit der Aschen der auf demselben Boden gewachsenen Unkräuter
und glaubte, daß sich auf einem Boden nur solche Unkräuter entwickeln würden, für deren
Gedeihen der Boden die günstigsten chemischen (und physikalischen) Bedingungen zeigt.
A. Emmerling 2 ) untersuchte die Aschen von Heusorten, verglich ihre Zusammensetzung
mit der mittleren Zusammensetzung normalen Heus und glaubte aus der Verschieden
heit zwischen beiden folgern zu dürfen, welche Nährstoffe in der fraglichen Wiese
in ungenügendem Verhältnisse vorhanden seien. Ä. Atterberg 8 ) hat die Haferkörner
zum Ausgang seiner Untersuchungen genommen und konnte in mehreren Fällen aus dem
Gehalt des Hafers an Stickstoff und Phosphorsäure und dem Verhältnis dieser Nährstoffe zu
einander schließen, daß dem Boden bald Phosphorsäure, bald Stickstoff fehlte. Das Verhältnis
von Stickstoff: Phosphorsäure schwankt in den Haferkörnern von 100:16 bis 100:83; das
günstigste Verhältnis für das Wachstum ist 100 N; 60—55 P 2 0 5 . Zeigen die Haferkörner
dieses letztere Verhältnis, dann befinden sich die beiden genannten Stoffe in richtigem
Verhältnis im Boden, und ist die Ernte dazu eine sehr große, so ist weder Düngung mit
dem einen noch mit dem anderen Stoff erforderlich; ist die Brntemenge aber eine geringe,
so fehlt es an beiden Stoffen. Ist das Verhältnis 100 N: 20 P 2 0 6 , so fehlt es dem Boden
an Phosphorsäure; ist das Verhältnis dagegen 100 N: 70 P2O5, so ist Stickstoffmangel vor
handen.
Hellriegel 4 ) förderte diese Frage auf einer anderen Grundlage; er zog Gersten
pflanzen in einem nahezu kalifreien Quarzsande, dem er eine Nährstofflösung zusotzte,
in welcher nur der Kaligehalt schwankte. Der Kaligehalt des Strohes fiel je nach den
gegebenen Kalimengen von 6,43 auf 0,40 °/ 0 der Trockensubstanz; der letztere Gehalt
ist der durchschnittlich niedrigste an Kali für die betreffenden Organe der Gersten
pflanze. In den Körnern fiel der Kaligehalt bis auf 0,18 u / 0 der Trockensubstanz. Da sich
von dem gegebenen Kali 66—100 °/ 0 in der Ernte wiederfanden, glaubte Hellriegel auch
bei den Kulturpflanzen des Feldes aus diesem Verhältnis den Gehalt an aufnehmbareffl
Kali — wie überhaupt an aufnehmbaren Mineralstoffen — im Boden berechnen zu können-
Gegen letztere Annahme läßt sich indes geltend machen, daß das Kali im Ackerboden
sich in einer anderen Form, nämlich im adsorbierten, also schwerer löslichen Zustande als
im Quarzsande befindet, daher aus dem Verhalten der Pflanze gegen das im Quarzsande
dargereichte Kali nicht auf das Verhalten gegen das im Boden enthaltene Kali geschlossen
werden darf, wenngleich die- Pflanzen auch das adsorbierte Kali aufzunehmen vermögen-
Da ferner die einzelnen Organe der Pflanzen einen verschiedenen Gehalt an Mineralstoffen
aufweisen, so ist R. Heinrich 5 6 ) der Ansicht, daß für besagten Zweck nicht die ganzen
Pflanzen, sondern nur die einzelnen Organe untersucht werden dürfen; er hält di 0
4 ) Landw. Versuchs-Stationen 1862, 4, 188 und 1864, 6, 50.
2 ) Landw. Wochenbl. f. Schleswig-Holstein 1875, No. 24 u. 25.
8 ) Landw. Jahrbücher 1886, 15, 415 und 1887, 16, 757.
4 ) Jahresbericht f. Agrikultur-Chemie 1867, 117.
6 ) R. Heinrich, Grundlagen zur Beurteilung der Ackerkrume. Wismar 1882, 49 u. #'•