Object: Fortschritt und Armut

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Die Gerechtigkeit des Heilmittels. Buch VII. 
beraubt zu werden scheinen, sie fühlen instinktmäßig, daß „etwas faul 
ist". Und sie haben recht. 
Die weit verbreiteten sozialen Übel, welche inmitten einer vor 
schreitenden Zivilisation die Menschen überall drücken, entspringen 
einem großen, ursprünglichen Unrechte — der Aneignung des Landes, 
auf dem und von dem alle leben müssen, als ausschließlichen Besitz 
einiger Menschen. Aus dieser fundamentalen Ungerechtigkeit fließen 
alle die Ungerechtigkeiten, welche die moderne Entwicklung verdrehen 
und gefährden, welche den Produzenten der Güter zur Armut ver 
urteilen und den Nichtxroduzenten in Luxus schwelgen lassen, welche 
die Mietskasernen neben dem Palast aufbauen, das Bordell in den 
Schatten der Kirche pflanzen und uns zwingen, ebenso viele Gefängnisse 
zu errichten, wie wir neue Schulen eröffnen. 
Es ist nichts Seltsames oder Unerklärliches in den Erscheinungen, 
welche jetzt die Welt in Bestürzung versetzen. Nicht weil der materielle 
Fortschritt nicht an sich gut wäre; nicht weil die Natur Kinder ins Dasein 
rief, für die zu sorgen sie verabsäumte; nicht weil der Schöpfer auf den 
Naturgesetzen einen Schandfleck der Ungerechtigkeit ließ, vor dem selbst 
der menschliche Geist sich empört, nicht darum trägt der materielle 
Fortschritt so bittere Früchte. Daß inmitten unserer höchsten Zivilisation 
Menschen vor Mangel umsinken und sterben, liegt nicht an der Kargheit 
der Natur, sondern an der Ungerechtigkeit des Menschen. Laster und 
Elend, Dürftigkeit und Pauperismus sind nicht die unabänderlichen 
Ergebnisse der Bevölkerungszunahme und industriellen Entwicklung; 
sie folgen nur der Bevölkerungszunahme und industriellen Entwicklung, 
weil der Grund und Boden als Privatbesitz behandelt wird — sie sind 
die direkten und notwendigen Resultate der Übertretung des höchsten 
Gesetzes der Gerechtigkeit, die darin liegt, daß einigen Menschen der 
ausschließliche Besitz dessen verliehen wurde, was die Natur für die 
ganze Menschheit bestimmt hat. 
Die Anerkennung des Besitzrechtes einzelner am Grund und Boden 
ist die Leugnung der natürlichen Rechte anderer Menschen — sie ist ein 
Unrecht, das sich in der ungleichen Verteilung der Güter zeigen m u ß. Denn 
da die Arbeit nicht ohne Benutzung von Grund und Boden produzieren 
kann, so ist die Verweigerung gleichen Rechtes auf dessen Gebrauch not 
wendig die Verweigerung des Rechtes der Arbeit auf ihr Produkt. 
Wenn ein Mensch über den Grund und Boden verfügen kann, auf dem 
andere arbeiten müssen, so kann er sich das Erzeugnis ihrer Arbeit als 
Preis seiner Erlaubnis zum Arbeiten aneignen. Das fundamentale 
Gesetz der Natur, daß ihre Gaben dem Menschen infolge seiner An 
strengung gehören sollen, wird so verletzt. Der eine empfängt, ohne 
zu produzieren, der andere produziert, ohne zu empfangen. Der eine 
wird ungerechterweise bereichert, die anderen werden beraubt. Auf 
dieses fundamentale Unrecht haben wir die ungerechte Güterverteilung 
zurückgeführt, die die moderne Gesellschaft in die sehr Reichen und in
	        
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