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W. Benary.
[16, 279]
Weg 4.
Ich habe wieder versucht, Stadien zu bilden. Der erste Schritt war
schwer zu merken, er war lang und hatte nur das deutlich, dafs man un
gefähr immer auf der geradausgehenden Linie bleiben mufste, bis auf die
eine Knickung ganz am Anfang. Dann kam ein Eisenbahngeleise, das half
sehr. Dann bis zu einer Hauptstrafse einfach „auf dem Weg bleiben“, und
von der Hauptstralse wiederum dasselbe bis zum Ende. Dieses Einhalten
des Weges ist nicht so gemeint, dafs ich mir irgendwelche Hauptrich
tungen im grofsen und im objektiven Raum merke, sondern ich bleibe
auf dem Weg von Schritt zu Schritt. Auch hier ist etwas Summatives.
Ob der Weg Biegungen macht,- oder dauernd seine Richtung ändert, ist
gleich. Die Raumkoordinaten spielen keine Rolle. Ich weifs auch gar
nicht, wo es hingeht. Es ist so, als wenn der Weg irgendwie anders wäre.
Davon gab es im ganzen nur zwei Ausnahmen (a und b). In der zweiten
Hälfte des ersten Stadiums, und ganz am Schlafs. Beide Ausnahmen habe
ich mir gemerkt. Beim Rückweg klappte es mit der ersten Ausnahme,
und ich war froh, dafs ich bis zur Hauptstralse gekommen war. Dann
war ich vollständig unsicher geworden, ich befand mich in einer ganz
fremden Gegend (es war aber objektiv richtig!]. Trotzdem sagte
ich mir: Halte dich wenigstens an das eine Kriterium, halte dich auf dem
Weg. Und das hielt ich bis zum Schlafs durch. Wufste, dafs also ein
Fehler da sein mufste, denn die zweite Ausnahme kam nicht. Aber jedes
Suchen nach dieser zweiten Ausnahme war absolut aussichtslos, denn ich
hatte gar keine Anhaltspunkte, um irgendwelche Einzelheiten, oder sonst
irgend etwas wiederzuerkennen. Bei dem Einhalten des Weges handelte
es sich um eine kinästhetische Struktur. „Auf dom Weg bleiben“ heifst,
den Rumpf nicht nach links oder rechts drehen. Ob er objektiv allmäh
lich Schwenkungen macht, und wie er zu irgendwelchen abstrakten Ko
ordinaten steht, ist gleich.
Ein Beweis dafür, dafs das Verhalten vor allem auf dem Vorherrschen
kinästhetischer Inhalte und auf deren Einprägung beruht, nicht aber auf
der Einprägung optischer Totalbilder oder Summen ist 1. die Unfähigkeit,
der Aufgabe in der Weise nachzukommen, wie bei Weg 1 und 3 verlangt
wurde, und 2. die vollständige Desorientierung, wenn die kinästhetischen
Anhaltspunkte verlorengehen; dann kann nur noch nach irgendwelchen
gedächtnismäfsig eingeprägten, aber rein abstrakten Merkmalen der Versuch
zu Ende geführt -werden. Bei einem solchen Verfahren haben Hinweg und
Rückweg überhaupt nichts mehr miteinander zu tun. Der Rückweg ist
gewissermafsen eine erstmalige Leistung, entsprechend einer sich selbst
gegebenen Instruktion. Der Hinweg hat also blofs die Bedeutung, dafs
überhaupt diese Instruktion gegeben werden konnte (so wurde bei diesem
Weg verfahren von der Kreuzung mit der grofsen Strafse ab bis zum
Schlufs).
Zusammenfassung.
Das optische und das kinästhetische Moment in der Orien
tierung treten hier deutlich auseinander. Ob in der Praxis des