Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Hamburger  Börsenpreis  für  Verkaufspreis  der  Firma  U  in
100  kg  Alaun  Aachen  für  100  kg  Alaun

Jahr

Mk.

Verhältnis  zu
1855

Mk.

Verhältnis  zu
1855

1855

15,78

100,00

32,10

100,00

1856

17,52

111,03

42,80

133,33

1857

23,52

149,05

42,80

133,33

1858

18,24

115,59

40,00

124,61

1859

18,06

114,45

40,00

124,61

1865

17,58

111,41

40,00

124,61

1872

17,96

113,82

40,00

124,61

1879

14,86

93,79

50,00

155,76

Der  Alaun,  welcher  ja  allerdings  im  Kleinhandel  keine  große
Rolle  spielt,  welcher  für  den  Haushalt  fast  nicht  in  Betracht  kommt,
gehört  zu  denjenigen  Artikeln,  welche  nach  obiger  Tabelle  vollkommen
von  den  Großhandelspreisen  abweichen.  Man  sieht,  wie  der  Kleinhandelspreis ­
  stets  steigt,  wenn  die  Großhandelspreise  steigen,  und  daß
der  Kleinhandelspreis  nicht  sinkt,  wenn  der  Hamburger  Börsenpreis
niedriger  wird.  Ja,  die  Preisbewegung  im  Kleinhandel  artet  schließlich
so  weit  aus,  daß  der  Kleinhandelspreis  steigt,  ungeachtet,  der  Großhandelspreis ­
  sinkt.  Das  Ergebnis  dieser  verschiedenen,  voneinander
schließlich  ganz  unabhängigen  Preisbewegungen  und  der  fast  willkürlichen ­
  Preisbildung  des  Kleinhandels  ist,  daß  nach  23  jähriger  Preisbewegung ­
  der  Hamburger  Börsenpreis  1879  niedriger  steht  als  im
Jahre  1855,  und  daß  im  Verlauf  dieser  23  Jahre  der  Großhandelspreis ­
  eine  ganze  Anzahl  von  Schwankungen  auf  und  nieder  durchgemacht ­
  hat.  Ganz  anders  der  Kleinhandelspreis.  Er  steht  am  Ende
dieser  Periode  viel  höher  als  am  Anfang,  und  im  Verlauf  dieser  ganzen
beobachteten  Zeit  ist  er  mit  einer  einzigen  Ausnahme  konstant  gestiegen.
Aber  in  noch  einem  anderen  Punkte  nimmt  der  Alaun  eine  eigentümliche ­
  Stellung  ein.  Man  hält  im  allgemeinen  einen  Händlerverdienst
von  20—30  %  als  hoch  genug.  Vergleichen  wir  die  beiden  obigen  Reihen
von  Alaun,  so  sehen  wir,  daß  der  Kleinhandelspreis  mit  einer  Verteuerung
von  über  200  °/ 0  beginnt,  und  mit  einer  solchen  von  zirka  350^  endet.
Es  sind  das  Zahlenverhältnisse,  welche  den  Begriff  des  wirtschaftlich
zulässigen  Händlerverdienstes  weit  übersteigen,  und  welche  um  so  beklagenswerter ­
  sind,  als  die  durch  solche  exorbitante  Preise  getroffenen
Konsumenten  hauptsächlich  ans  der  Zahl  der  kleinen  Handwerker  sich
rekrutieren.  Wir  dürfen  solche  Momente  bei  der  Beurteilung  der  Lebensfähigkeit ­
  eines  Handwerks  —  und  in  jener  Epoche  fand  ja  hauptsächlich
der  Kampf  statt  —  nicht  außer  acht  lassen.
            
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