Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Aitkins  oder  des  französischen  Weißgerbers  M.  I.  Main  zu  Niort^)
bald  als  bedeutungslos  erloschen.
Die  theoretischen  Vorstellungen  über  Weißgerberei  wie  auch  über
Sämischgerberei  nehmen  eine  der  neuen  Zeit  entsprechende  Form  an;
die  Vorstellungen  beider  Zeiten  klingen  durch,  wenn  Hermbstädt  sagt
„Der  Alaun  verbindet  sich  chemisch  mit  der  Haut  und  zieht  sie  zusammen" ­
  8 ),  aber  Untersuchungen  in  den  20  er  Jahren  über  die  wirksamen ­
  Bestandteile  des  Alauns  oder  über  die  Bedeutung  des  Kochsalzes
in  der  Weißgerberei  Z  zeigen  uns,  daß  man  auch  auf  diesem  Gebiete
sich  dem  neuen  Geiste  vollkommen  adaptiert  hat.  Die  Ansicht  Hermbstädts
über  die  Fettgerberei B ),  wonach  die  Haut  mit  Fett  durchdrungen  und
so  vor  dem  hornartigen  Austrocknen  geschützt  wird,  zeigt  den  vollständigen ­
  Bruch  mit  den  verlassenen  Gleichnissen.
Wiederum  an  den  Namen  hauptsächlich  eines  einzigen  Mannes
ist  der  Beginn  und  der  Inhalt  einer  weiteren  Gerbetheorie  geknüpft,
welche  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  die  Epoche  der  rein
chemischen  Anschauung  in  die  vorwiegend  physikalischer  Betrachtung
überführt.  1858  veröffentliche  Knapp  umfassende  Untersuchungen 6 ),
welche  eine  vollständige  Umwälzung  der  herrschenden  Anschauungen
über  das  Wesen  des  Gerbeprozesses  zur  Folge  hatten.  Unter  vielen
anderen  auch  die  Tatsache,  daß  durch  bloßes  Entwässern  der  nassen
Blöße  mit  absolutem  Alkohol  ein  vollkommenes  Leder  entsteht,  welches
allerdings  beim  Naßwerden  wieder  zu  Haut  wird.  Die  Verbindung
chemischer  Versuche  mit  histologisch-mikroskopischen  Untersuchungen  hatten
ihn  zu  der  Definition  veranlaßt,  daß  Leder  nichts  weiter  sei  als  „Haut,
bei  welcher  durch  irgend  ein  Mittel  das  Zusammenkleben  der  Fasern
beim  Trocknen  verhindert  worden  ist".  Das  Gerben  selbst  aber  ist
kein  chemischer,  sondern  ein  physikalischer  Prozeß;  denn  in  Analogie  mit
der  damals  herrschenden  Anschauung  über  den  Färbeprozeß  beruht
das  Gerben  auf  dem  Prinzipe  der  Oberflächenattraktion  seitens  dev
Faser  für  Metalloxyde,  Gerb-  und  Farbstoffe,  ist  also  kein  chemischer,
sondern  ein  physikalischer  Prozeß').  Das  ist  der  Kern  der  Knappschen
Anschauung,  und  von  hier  ausgehend  versuchte  Knapp  eine  Reihe  von
Gerbungen  mit  künstlichen  Gerbstoffen  in  die  Praxis  einzuführen.  Als
Metalloxyde  dienten  ihm  Eisen,  Aluminium,  Chrom,  als  niederschlagende
Agentien,  Fettsäuren,  Blut,  Serum,  Urin 8 );  die  Bedeutung  Knapps

y  Pelzer  1837,  S.  245.  -)  Pelzer  1837,  S.  246.
s )  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  200,  220.  4 )  Leuchs  1828,  S.  27.
5 )  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  221.
*)  Natur  und  Wesen  des  Leders,  München  1858,  Dingl.  polytechn.  Journal,
Bd.  149,  S.  305,  378.  ')  Knapp  1892,  S.  2-3.
»)  Knapp  1892,  S.  14  ff.
            
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